Freitag, 24. März 2017

Welch ein Irrtum !

Es gibt, und es gab, bei nüchterner Betrachtung, keinen deutsch-russischen Interessenkonflikt, wenn wir die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis zu Wiedervereinigung mal außer Betracht lassen.
Der 2. Weltkrieg ist eine direkte Folge des Ersten. Das Streben der deutschen Führung nach Autarkie und damit nach dem Land im Osten gründet sich in den Erfahrungen der Hungerblockade der Alliierten im 1. Weltkrieg und der Abschottung der Märkte in der Nachkriegszeit.
Dagegen beruhte der 1. Weltkrieg auf einem Irrtum der russischen Seite. Man hatte sich finanziell von den Franzosen abhängig gemacht und politisch vor deren Karren spannen lassen. Und dann glaubte das Zarenregime, sich keinen weiteren außenpolitischen Gesichtsverlust leisten zu können.
Wäre Russland mit dem Deutschen Reich verbündet gewesen, hätten die beiden Mächte ihre Politik abgestimmt, so hätte weder Frankreich noch Österreich einen Krieg anzetteln können.
Denn das Deutsche Reich und Russland hatten keinen relevanten Interessengegensatz. Wie es ein bedeutender russischer Minister dieser Zeit, Graf Witte, formulierte: Wir brauchen Galizien nicht, wir haben schon genug Juden, und wir brauchen Ostpreußen nicht, denn wir haben schon genug Deutsche.
Hätte das Deutsche Reich Russland als Bündnispartner gehabe, hätte es wesentlich entspannter auf Krisen reagieren können. Und mit Deutschland als Bündnis- und Handelspartner, hätte das Zarenreich nicht so viel Niederlagen einstecken müssen.
Nun, es ist anders gekommen. Schade!
Leider war das Verhalten der Deutschen in Russland und das Verhalten der Russen in Deutschland nicht dergestalt, dass da der Wunsch nach enger Freundschaft entsteht. Die beiden Völker haben sich wechselseitig Entsetzliches angetan.
Der Nutznießer sind die USA, die von der russische-deutschen Entfremdung profitieren.
Es ist die deutsche Wirtschaftsmacht, welche Mitteleuropa aus dem russischen Einflussbereich herausgerissen hat. Es ist die deutsche Wirtschaftsmacht, welche diesen Raum zwischen den Mächten stabilisiert. Russland hat sich mit seiner unüberlegten Nachkriegspolitik gegenüber den Deutschen einen mächtigen Feind geschaffen. Es hat sich durch die Gebietsverschiebungen und die Exzesse bei der Eroberung als Bündnispartner endgültig desavouiert, zum eigenen Schaden.
Wenn Russland die Braut in sein Bett ziehen will, dann muss es was Konkretes geben, nicht nur Machogehabe und dumme Sprüche: Nordostpreußen mit Königsberg, Abgrenzung der Interessensphären, atomare Bewaffnung Deutschlands.
Der Dank: Ökonomisches, militärisches Bündnis mit Russland, Wilhelmshafen wird russischer Kriegshafen. Gründung einer mitteleuropäischen Freihandelsunion mit Russland als Mitglied und einer mitteleuropäischen Verteidigungsgemeinschaft mit Russland als Mitglied.
A propos, deutsches Interessengebiet. Wir kennen es schon: Polen, Slowakei, Tschechien, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Nachfolgestaaten Jugoslaviens. Um den Rest der Welt mag sich Russland kümmern. Interessengebiet heißt: da hält sich der Partner politisch raus. Handel und Wandel ist überall frei.

Aber es wird ein Traum bleiben! Ja, denn die Russen sind naturdoof, jedenfalls politisch! Sonst hätten sie die Allianz mit Frankreich gelassen, die Verbindung eines autokratischen mit einem revolutionären Regime, die Verbindung eines saturierten Reiches mit einem Kriegsstreiber. Nun Russland hat für diese Dummheit einen hohen Preis gezahlt und zahlt noch. Und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Freitag, 20. Januar 2017

Die Hoecke Rede

Wenn man exemplarisch den Nahen Osten und seine Kriege bzw. Bürgerkriege betrachtet oder den Krieg in Jugoslawien, so kann man mit gutem Recht als Kriegsgrund einen elementaren Mangel erkennen: es fehlt an Nationalismus/Patriotismus.
Die Bewohner dieser Länder empfinden sich eben nicht als eine Nation, als eine politische Einheit, die eben in verschiedenen Variationen daher kommt, so wie es den Deutschen eben als Nord-, West-, Ost- und Süddeutschen, als Hessen, Westfalen, Bayern oder Schwaben gibt, als Evangelischen, Katholischen, Neuapostolischen, etc..
Nein, wie übrigens auch in der deutschen Geschichte lange verbreitet, der Mitbürger, der die gleiche Sprache spricht, wird aufgrund eines Merkmals (Sippe und Stamm, Religion, Herkunft) als Fremder, als Feind wahrgenommen, mit dem ein Zusammenleben nicht gewünscht wird.
Deutschland, Deutschland über alles heißt vor allem, Deutschland über alle Partikularinteressen, eine friedensstiftende Botschaft, wenn wir daran denken, dass in der Vergangenheit die deutschen Hoheitsgebiete miteinander im Krieg lagen.
Ein demokratischer Staat benötigt eine Nation, welche ihn trägt. Wenn es kein "Wir" gibt, kein Zusammengehörigkeitsgefühl, keine stille Übereinkunft, dann wird das Regieren schwer, der Staat neigt zur Auflösung.
Ist der Staat ein Vielvölkerstaat, ist Patriotismus, also die Verbundenheit mit dem Staat, der Kitt, weswegen Putin Patriotismus fördert, Nationalismus aber ablehnt. Fester aber ist Nationalismus, d.h. wenn sich die Bürger eines Staates als Einheit sehen, Einheit die durchaus vielfältig sein kann. Es kommt darauf an, dass der Mitbürger nicht als fremd wahrgenommen wird, man sich ihm durch Kultur, Geschichte, Herkunft verbunden fühlt. Als gelungenes Beispiel ist das Frankenreich der Merowinger zu nennen, wo die erobernden Franken zur Religion der Eroberten (Katholizismus) wechselten und deren Sprache (Vulgärlatein = Romans) übernahmen, sich andereseits die Eroberten als Franken empfanden und bezeichneten.
Als mißlungenes Beispiel seien die Ostgoten sehen, die als Arianer (Variation des Christentums) von den Italienern (Katholiken) getrennt blieben und trotz einer als gerecht empfundenen Herrschaft durch Angriff der Byzantiner aus dem romanischen Volkskörper herausgelöst und vertrieben werden konnten.
Staat und Nation beruhen auf Macht, Mythen und Gewohnheit.
Niemand möchte Fan eines Fußballvereins sein, der stets verliert und stets unfair spielt, darüber hinaus in der Vitrine im Vereinsheim keine Pokale ausstellt, sondern Kopien der Entschuldigungsschreiben an die Opfer der Fouls.
Und niemand empfindet positiv für einen Staat, der sich um dem Kult bezüglich eines Massenmords gründet und Gefühle von Schuld und Scham fördert.
Sich der Geschichte des Volkes zu stellen, zu dem man sich zugehörig fühlt, bedeutet auch, sich den dunklen Stellen dieser Geschichte zu stellen, dabei sind Gefühle von Schuld und Scham völlig unangebracht, es sei denn man wäre an konkreten Verbrechen beteiligt gewesen. Es geht um Wissen, nicht um Empfinden. Und selbst die Vorstellung, durch Erinnerung eine Wiederholung von politischen Verbrechen zu verhindern, ist irrig! Das Wissen um den Mord an den Juden hat weder die Kulturrevolution in China noch den Massenmord in Kambodscha verhindert, noch den Völkermord in Jugoslawien.
Und wenn ich die Art der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, in diesem Fall der AfD sehe, so kann sich die Antifa in der Reihe mit der SA stellen, wie auch Denunzienanten, welche versuchen Menschen anderer politischer Überzeugungen in ihrem Ruf und ihrer Existenz zu vernichten, den gleichen Geist atmen wie die Totalitären der Brauenen und Roten der Vergangenheit.
Damit ist gezeigt, dass Erinnerungsstätten und Denkmäler aller Art nicht geeignet sind, den Menschen zum Guten zu verändern.
Aber nun zu Höcke und seiner Rede, welche sie dort anhören können: die Rede.

Mir atmet die Rede etwas zuviel Pathos, aber er scheint den Nerv des Publikums getroffen zu haben. Der kleine Mann, also die Masse des Volkes, ist dringend darauf angewiesen in eine (Familien-, Sippen-, Stammes-, Staats-) Gemeinschaft eingebunden zu sein, weil er als Einzelner zu schwach ist, um den Mächtigen und den Mächten dieser Welt Widerstand entgegen setzen zu können. Seine Existenz ist in gewisser Weise immer prekär, weil er ausschließlich vom Verkauf seiner Arbeitskraft lebt, ein wahrhaft verderbliches Gut. Der kleine Mann ist gezwungen, zusammen mit seinen Mitmenschen zu leben, er kann sich keine Insel der Seeligen in gated communities leisten. Er gehört weder zum Geld- noch zu sonstigem Adel. Sein Leben ist vor allem durch Müssen geprägt, denn nur sein permanentes Rudern schützt ihn vor dem sozialen Abstieg. Der kleine Mann möchte Teil von etwas Großem sein, etwas Großem, das ihn wärmt und schützt. Aber auch von etwas Großem, das ihn an seinem Glanz teilhaben lässt. Und so ist der kleine Mann Patriot, Fan eines Fussball- oder anderen Vereins, im Heimatverein, in der Kirche.
Wenn ich vom kleinen Mann spreche, ist damit die kleine Frau gleich mitgemeint, wobei die Frau als solche, selbst bis in höchste Kreise das Merkmal des kleinen Mannes zeigt, denn eine Frau ist in noch größerem Maße als der Mann auf einen geschützten Raum angewiesen. Denn in der wilden Welt, ohne männlichen Schutz, ist eine Frau nur Beute.
Und in der Rede ging es um den kleinen Mann und Höcke war der Ofen, der die Wärme verstrahlte, welche der kleine Mann so sehr vermisst.
Und selbstverständlich waren die alliierten Mächte des zweiten Weltkriegs hinsichtlich ihres moralischen Niveaus in keiner Weise den Achsenmächten überlegen. Bei diesem Krieg ging es um Macht, nicht um Moral. Und selbstverständlich war es das Ziel der Alliierten die Deutschen und Deutschland zu vernichten, auszurotten. Und natürlich ging es beim Bombenkrieg gegen die deutschen Wohngebiete und deutsche Kulturgüter, dem moral Bombing, darum, das Volk im Mark zu treffen, seine Wurzeln herauszuziehen, es in eine amorphe und formbare Masse zu verwandeln, was gelungen ist.
Und natürlich waren sind Angriffe auf die Städte ein Kriegsverbrechen, ein unentschuldbares Kriegsverbrechen, wie auch die Exzesse gegen die Zivilbevölkerung und die Vertreibungen ein unentschuldbares Kriegsverbrechen sind.
Und selbstverständlich ist das Holocaustdenkmal in Berlin ein Denkmal der Schande, was denn sonst.
Außerdem ist dieses Ding unästhetisch, ein Klotz im Stadtbild.
Nun habe ich es nicht so sehr mit Denkmälern. Ich denke, dass der Massenmord an den Juden ein Denkmal braucht, auch ein Denkmal im Zentrum der Haupststadt. Es geht darum, die Opfer dem Vergessenwerden zu entreißen. Es geht darum, den Opfern zu vergewissern, dass sie, obwohl wie wir alle keine Engel, dennoch unschuldig waren, Opfer einer verbrecherischen Ideologie, aber auch Opfer der schlechten Natur ihrer Mitmenschen. Der Mensch ist des Menschen Wolf.
Es wäre schön, wenn z.B. Polen in der Hauptstadt mal ein Denkmal für die Vertriebenen aufstellen würde, auch das wäre angemessen. Denn Polen ist mitnichten das unschuldige Opfer der Nazis, als welches es sich darstellt.
Wir wollen nicht vergessen, dass die Freiheit der Polen vom russischen Joch durch deutsche Truppen im ersten Weltkrieg erkämpft und im Frieden von Brest-Litowsk durchgesetzt wurde. Das betrifft übrigens auch die Freiheit Finnlands, Estlands, Lettlands und Litauens. Aber das nur am Rande.
Die in Deutschland (bzw. dem, was von Deutschland übrig blieb) gepflegt Erinnerungskultur führt dazu, dass Patriotismus nicht aufkommt. Hatte Preußen Ehre, so hat die BRD nichts dergleichen. Die BRD, und das hat die Kanzlerin klar erkannt, ist einfach nur eine Grenze gezogen um die, welche schon länger hier wohnen. Es ist wie bei Asteroiden, die nicht aus Fels, sondern aus Staub und Gesteinsbröckelchen bestehen und durch eine kaum fühlbare Gravitation zusammengehalten werden. Bei der ersten Störung von außen fliegt so ein Teil auseinander und löst sich in einer Partikelwolke auf. Und das ist der Zustand der BRD, von Restdeutschland. Und darum ist die Reaktion auf die Rede von Höcke so hysterisch.
Ansonsten war die Rede dem Anlass und dem Publikum angemessen, für alle Beteiligten ein Genuss, und wer anderes hören möchte, kann ja bei anderen Parteien vorbeischauen.
Demokratie lebt von der Form nicht dem Inhalt, und es ist nicht verboten, ein Patriot zu sein, so wie es nicht verboten ist, das eine oder andere Denkmal für wenig hilfreich zu halten.