Donnerstag, 31. Dezember 2020

Frontseite

Frontseite klingt sehr martialisch, so nach "Im Westen nichts Neues".
Aber das soll damit nicht gemeint sein.
Frontseite heißt Titelblatt, heißt: Was will dieser Blog mit dem seltsamen Namen?

Dieser Blog ist ein Männerblog. Er ist ein Männerblog, weil ich ein Mann bin und damit die männliche Sicht der Dinge einbringe. Er ist ein Männerblog, weil er die Anliegen der Männer- und Väterbewegung fördern soll, wie ich sie sehe.

Für mich sind Ziele der Männerbewegung:

  • rechtliche und gesellschaftliche Benachteiligungen für Männer zu beseitigen,
  • Männern ein positves Selbstbild zu geben,
  • männliche Anliegen in die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen,
  • die Entwicklung von Buben zu selbstbestimmten und selbstbewußten Männern zu fördern,
  • Männern einen offenen und ungezwungenen, unverklemmten Zugang zu ihrer Sexualität und ihrer Körperlichkeit zu ermöglichen,
  • Männer ein ungezwungenes und offenes Verhältnis zu anderen Männern zu ermöglichen
Für mich sind Ziele der Väterbewegung:


  • rechtliche und gesellschaftliche Benachteiligungen von Vätern zu beseitigen,
  • die Rolle des Vaters in der Familie und im Bezug zu seinen Kindern zu stärken
  • das Miteinander von Vätern und Kindern zu fördern,
  • Vaterschaft stärker gesetzlich zu schützen
  • Vaterschaft und die wichtige Rolle derselben in der Gesellschaft stärker zu verdeutlichen.
Ich versuche in diesem Blog durch eigene Postings und durch Zitate, Diskusstionsgrundlagen und Argumentationshilfen zu geben.

Ein weiteres Thema, das mich beschäftigt ist, der Mensch in Staat und Gesellschaft und hier besonders die Nation als Gemeinschaft der rechtlich und politisch Gleichen.

Weitere Themen fließen ein, sofern sie mir wichtig sind, aber die obengenannten Themen sind die Kernthemen dieses Blogs, jedenfalls bis auf Weiteres.


Ein Wort zu Urheberrechten.

Ich verfolge mit meinem Blog keine kommerziellen Interessen. Es ist auch nicht meine Absicht, Autoren um ihren gerechten Lohn für geistige Arbeit zu bringen. Ganz im Gegenteil, es ist mein Ziel, Autoren, die zu den von mir ins Zentrum des Interesses gerückten Themen Bedeutendes zu sagen haben, bekannt zu machen, meine Leser auf diese Autoren aufmerksam zu machen und zu weiterer Lektüre zu animieren. In sofern betreibe ich eher Werbung, indem ich Texte in meinen Blog aufnehme.

Auch ist mir sehr wichtig, dass die von mir verfassten Texte (Atrial) und die lediglich kopierten Texte (Times) sich schon im Schriftbild unterscheiden. Zusätzlich gebe ich stets die Quellen an und verlinke wenn möglich darauf.

Sollte sich dennoch jemand, in seinem Urheberrecht verletzt sehen, so genügt eine kurze Mail an dschindschin@email.de und ich lösche bzw. verkürze die entsprechenden Passagen.

Meine Leser weise ich darauf hin, dass Veröffentlichungen in meinem Blog nichts am Urheberrecht der ursprünglichen Autoren ändert, an die man sich also zu wenden hätte, wollte man die entsprechenden Texte anderweitig veröffentlichen.





Samstag, 7. April 2012

Das wahre Ziel des Feminismus

Das wahre Ziel des Feminismus

Quelle: http://www.wgvdl.com/forum/board_entry.php?id=225845#p226098

Übersetzt von Krankenschwester - Vielen Dank dafür!

vom Sergej Strojev

In der modernen westlichen Gesellschaft ist Feminismus ein Teil der herrschenden staatlichen (genauer gesagt, überstaatlichen, grenzüberschreitenden, d.h. globalen) Ideologie. Als solcher wird er streng und ausnahmslos durch die Schule, Universitäten und Massenmedien aufgezwungen und ist in den Gesetzen fest verankert. Bedeutende Menge der Finanzressourcen wird in die feministische Propaganda, "Gender Studien", "Frauenwissenschaft", feministische Literatur usw. investiert. Die Frage, von wem und mit welchen Ziel die feministische Bewegung finanziert wird, ist eher rhetorisch.
Ein Träger solcher Finanzierung in der kapitalistischen Welt kann nur ein kollektiver Träger des Kapitals sein- in dem Fall die transnationale Finanzoligarchie. Einen anderen Träger, der in heutiger Kapitalgesellschaft solche bedeutende Finanzierung, mit Einbeziehen wie Straf- so Bildungsfunktionen des Staates (genau genommen, der regionalen Administration der neuen Weltordnung), kann es einfach nicht geben.

Die Antwort auf die Frage "wer finanziert?" gibt automatisch die Antwort auf die Frage "mit welchem Ziel?". Und die wäre: zum Erfühlen der eigenen Klassen- oder wenn man will, Kommerziellen- Interessen. Es bleibt uns nur noch den Mechanismus dieser Angelegenheit zu verstehen. Und es ist einfach. Gegen wen kann man für die "Rechte der Frauen" kämpfen und wer hat die Rolle des "Unterdrückers" und "Diskriminierers"? Natürlich die Männer.
Als Ergebnis wird eine Hälfte der Gesellschaft in Rahmen der künstlich erzeugten Kontroverse der anderen Hälfte entgegengesetzt. Damit wird der reale Widerspruch- der Unterschied der Interessen von Mehrheit der Bevölkerung und eines kleinen Kreises der Finanzoligarchie- in den Schatten gestellt.

Zerspaltene, atomisierte Gesellschaft verliert die Fähigkeit die eigenen natürlichen Klasseninteressen, die durch Monopolisierung des Kapitals und die Abgrenzung der Finanzoligarchie von der Nation, mit den internationalen Interessen übereinstimmen, zu konsolidieren.
Zusätzlich zur künstlich erzeugten Spaltung der Gesellschaft auf Geschlechterebene, wird von der kapitalokratischen Oligarchie die Zerstörung der traditionellen Familien vorangetrieben: die Frauen werden vereint, um gegen die Männer zu kämpfen, und die Männer- gegen die Frauen.
Der Wunsch der Weltkapitalokratie die traditionelle Familie als unverzichtbare Basis der Gesellschaft zu zerstören wird nicht nur nicht mehr versteckt, sondern auch offen deklariert. So erklärte der offizielle Vertreter der UNO (UNFPA) Arie Hoekman gleich am Ende des Weltfamilientages in Mexico (Januar 2009), dass die Zerstörung der Familien, hohe Scheidungsrate und die große Anzahl der unehelichen Kinder nicht ein Indiz für die gesellschaftliche Krise, sondern "ein Sieg der Menschenrechte über Patriarchat" ist. Die Zerstörung der Familien hat außer der Atomisierung der Gesellschaft noch ein Ziel: maximale Schwächung der Rolle der Eltern bei der Erziehung der Kinder und ungehindertes Formen des "neuen Menschen" durch Schulen und anderen, der Kapitalokratie unterliegenden Ausbildungsstätten zu ermöglichen.
Im Endeffekt versucht die Oligarchie einen qualitativ neuen Menschen- den idealen Konsumenten mit regulierbaren Wünschen und Bestrebungen, der zum eigenständigen Denken und Handeln nicht fähig ist,- zu erhalten. Die Weitergabe des Wissens, der Weltanschauung und der Moral von Generation zur Generation in Rahmen der traditionellen Familien stört die Oligarchie beim Formen der neuen Gesellschaft, die deren Interessen entspricht.
Deshalb wird die Familie als Institution der gezielten Zersetzung und der Zerstörung durch die Konfrontation zwischen dem Mann und der Frau, zwischen dem Kind und den Eltern, mittels aktiver Einmischung des Staates in die familiäre Verhältnisse mit dem Vorwand des "Schutzes gegen die häusliche Gewalt", mit der Propaganda des mit der Familiengründung nicht zu vereinbarenden Lebensstils und durch den Beschluss der familienfeindlichen Gesetze, ausgesetzt.
Der Feminismus, als Ideologie der Feindschaft der Geschlechter und der Konfrontation auf geschlechtlicher Ebene, ist ein dafür geeignetes Werkzeug.
So muss man konstatieren, dass der Auftraggeber und Organisator des "Kampfes für Frauenrechte" die Kapitalokratie ist, die mit dieser Maßnahme die Gesellschaft spaltet, atomisiert und zerstört.
In der Tat ist dieser Kampf nicht nur gegen die männlichen Interessen, sondern auch gegen die Interessen der weiblichen Bevölkerung ausgerichtet, und wird ausschließlich zu Gunsten des engen Kreises geführt.
Der Sinn diesen Kampfes ist nicht das Erkämpfen von irgendwelchen Rechten, sondern der Zustand der Trennung der Geschlechter und gegenseitiger Feindseligkeit, des Misstrauens und des Hasses.
Außer der Oligarchie könnten davon nur noch die Schwulen und Lesben profitieren...

Der Feminismus positioniert sich als die Bewegung für Gleichberechtigung der Frauen. In Wirklichkeit hat er sein nominales Ziel im vollen Umfang noch vor seiner eigentlichen Entstehung erreicht. Wenn man natürlich den Zeitpunkt der Entstehung des modernen Feminismus ab Herausgabe des Buches "Das andere Geschlecht" (Simone de Beauvoir, 1949), und nicht ab der Entstehung der Suffragetten- Bewegung (Ende des XIX- Anfang des XX Jahrhunderts) oder ab den ersten Forderungen nach Frauenwahlrecht in USA, Frankreich und England (Ende des XVIII Jahrhunderts) bestimmt. Vom Sowjet Union ganz zu schweigen. Die Frauen waren den Männern in Wahl-, Eigentums- und sonstigen juristischen Rechten gleich gestellt.

Somit hatte der moderne Feminismus, der sich seit der 60' rasant entwickelte, keinen realen Bezug zum Kampf für die Gleichberechtigung. In der Realität setzten sich selbst die milden Formen des Feminismus nicht für die gleichen Rechte und gleichen Startchancen, sondern für das gleiche Endergebnis ein.. Also nicht die Gleichberechtigung, sondern die Gleichmacherei im Sinne der Identifikation und Auslöschung der geschlechtlichen Unterschiede in jedem gesellschaftlich wichtigen Bereich. Die radikalen Formen des Feminismus verlangten offen nach Ungleichheit und Diskriminierung zu Gunsten der Frauen und/oder nach der geschlechtlichen Apartheid. Die extremsten Formen des amerikanischen Feminismus erklärten die Familienzerstörung, den Kampf gegen normale heterosexuelle Beziehungen, die Propaganda biologischer Überlegenheit der Frauen, Männerhass und gar die Idee von der vollkommenen Vernichtung der männlichen Bevölkerung offiziell zur eigenen Doktrin.

Die "Diskriminierung" und "Unterdrückung" der Frauen begründeten die Feministinnen nicht mit der Differenz in den juristischen Rechten (da solche nicht mehr existiert hat), sondern ausschließlich mit dem Unterschied in dem Sozialstatus und die Prävalenz der Männer in der Wirtschaft, der Verwaltung, der Kunst, der Wissenschaft und anderen Bereichen. Allerdings beweist die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern keinesfalls die Diskriminierung, sondern ist normal, da diese das unmittelbare Ergebnis von biologischen Unterschieden zwischen dem Mann und der Frau ist und auf den anatomischen, genetischen und psychophysiologischen Ebenen vertreten wird. Um diese Tatsache umzugehen, haben die Feministinnen politisch korrekten Begriff "Gender" eingeführt, der die soziale, durch die gesellschaftliche Erziehung entstandene, Rolle des Menschen beschreibt.

Entsprechend wurde daraus ein feministisches Axiom, dass Gender der reinen sozialen Natur und nicht an den biologischen Geschlecht gebunden ist. Laut Feministinnen, sind alle mentalen, emotionalen, an den Geschlecht gebundene Verhaltensunterschiede nicht des biologischen Ursprungs, sondern werden durch unterschiedliche soziale Erziehung diktiert. Die unterschiedlichen Rollen und Verhaltensmustern von Männern und Frauen, die zur ungleichen Vertretung in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen führen, wurden zu einem Ergebnis der "Verschwörung" und einer Quelle der "Diskriminierung" erklärt. Klar ist, dass solche Theorie aus wissenschaftlicher Sicht absolut grund- und haltlos ist, da die Wirkung der Sexualhormonen auf das Verhalten schon längst bewiesen wurde.
Insbesondere ist es gut bekannt, dass das Verlangen nach Führung, die letztlich die Position in der sozialen Hierarchie bestimmt, weitgehend durch den männlichen Sexualhormon Testosteron reguliert wird. Dieses hat auch starken Einfluss auf das räumliche Orientierungsvermögen, was auch für eine Reihe von Berufen unverzichtbar ist. Ebenso gibt es keinen Zweifel über die hormonelle Regulation des Mutterinstinktes. Gut bekannt sind die geschlechtsspezifische Unterschiede der funktionellen Asymmetrie der Gehirnhemisphären, die die Unterschiede in der Art des Denkens und Informationsverarbeitung im Allgemeinen bestimmen. Es ist zweifellos, dass die Hormonen und allgemeiner emotionaler Hintergrund, Charakter der Motivation, die Leistungsfähigkeit und eine Reihe weiterer mentalen Eigenschaften miteinander verbunden sind. Schließlich ist dieses feministische Postulat über sozialbedingten Verhaltensweisen des "Genders" durch die Tatsache, dass die menschliche Verhaltensmodelle ähnlich den Verhaltensmodellen anderer höheren Primaten sind, widerlegt. Somit sind die geschlechtsspezifische Verhaltensunterschiede nicht durch die Kultur erschaffen, sondern nur durch diese geziert worden. Diese Unterschiede sind biologischen Ursprungs: sie sind genetisch bedingt, hormonell realisiert und haben eine wichtige adaptive Rolle für die Menschen im Ganzen.

Und sie wurden lange vor der Entstehung nicht nur der homo sapiens, sondern auch der Menschen im allgemeinen als seine Art (Homo) gebildet. Das heißt, zum Beginn der Menschwerdung waren diese Verhaltensmodelle in ihren Grundzügen bereits gebildet. Die Menschen erbten diese von ihren affenähnlichen Vorfahren und behielten sie während der menschlichen Geschichte nahezu unverändert.
Verändert hat sich letztendlich nur die kulturelle Verzierung.
Entsprechend der biologischen Unterschieden zwischen den Verhaltensmustern, Motivationen, Charakteren des Denkens, Willenskräften und Kreativität wird die soziale Rolle und Nische für die Vertreter des jeweiligen Geschlechts bestimmt. Während der Mann aufgrund seiner biologischen (genetischen, hormonellen, physiologischen und psychischen) Eigenschaften überwiegend auf öffentliche und berufliche Aktivitäten orientiert ist, konzentriert sich die Frau überwiegend auf die Organisation des Familienlebens und die Geburt und Erziehung der Kinder.
Die geschlechtliche Unterschiede auf Politik- und Wirtschafts- und Berufsebene (auch die berüchtigte "Lohndiskriminierung") bei vollkommen gleichen Startmöglichkeiten, sind keine Diskriminierung, sondern eine einfache Tatsache, dass die psychophysiologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern existieren und die biologische Norm widerspiegeln. Der Feminismus, die wissenschaftliche Erkenntnisse und Beweise ignorierend, versuchte es dennoch seinen Gender- Mythos experimentell zu rechtfertigen. Insbesondere experimentierten die Feministinnen an den Kindern, um die geschlechtlichen Unterschiede im Verhalten von Jungen und Mädchen zu brechen und diese zur verhaltens- neutralen ("asexuellen") Personen zu formen.

Einige Beispiele solcher Experimenten sind in dem Buch "Die Beziehungssprache" (*?) vom Allan & Barbara Pease beschrieben und vom A. Nikonov in dem Buch "Das Ende des Feminismus" zitiert:
"In dem israelischen Modell der gesellschaftlichen Einheit, bekannt als Kibbuz, wurde über mehrere Jahre versucht die geschlechtliche Stereotypen zu vernichten. Die Kinderkleidung, die Frisuren, der Lebensstil waren so reglementiert, dass jedes Kind gleich wie ein geschlechtsloses Wesen aussah. Gefördert wurden solche Beschäftigungen für den Jungen wie Puppen spielen, Stricken, Nähen, Kochen und Putzen. Bei den Mädchen war es Fußball, Klettern auf Bäume und Dart spielen. In seinem Konzept ist Kibbuz eine geschlechtsneutrale Einheit der Gesellschaft, in der es keine harte Trennung der Geschlechter, dennoch die Chancengleichheit für alle gibt... Sexistische Sprache und Sätze wie "Jungen weinen nicht" oder "Mädchen sollen sich nicht im Dreck wälzen" wurden nicht mehr verwendet. Die Kibbuzen verkündeten das Erreichen der vollkommenen Austauschbarkeit der Geschlechter.
Was geschah im Endeffekt? Nach 90 Jahren der Existenz der Kibbuzen, zeigte die Forschung, dass die Jungen ständig aggressives Verhalten und Ungehorsamkeit zeigten, sich in die Gruppen aufteilten und in diesen um die führende Position kämpften. Währenddessen arbeiteten die Mädchen zusammen, vermieden die Konflikte, demonstrierten ihre Zuneigung, schlossen die Freundschaften und tauschten unter einander die Geheimnisse aus. Bei der Wahl der Spezialisierung in der Schule wurden jeweils die Beschäftigungen angestrebt, die mit der Orientierung des männlichen und weiblichen Geistes verbunden sind: die Jungs wählten die Fächer wie Physik, Technik, Sport und die Mädchen wurden später Lehrerinnen und Krankenschwestern... Die biologische Natur führte jeden auf den Weg entsprechend der Besonderheiten des männlichen oder weiblichen Gehirns. Die Untersuchung der Kinder, die in einer geschlechtsneutralen Atmosphäre aufwuchsen, hat gezeigt, dass sogar die Beseitigung von "Mutter- Kind"- Beziehung nicht die Unterschiede in der Bevorzugung beeinflusst hat..." Außerdem bringt A. Nikonov in seinem Buch weitere Beispiele: "Großflächig und fanatisch wurde in Vereinigten Staaten mit der Verhaltensinvalidität der Jungen experimentiert. Amerikanische Schulen, Unis und Colleges gaben sich in diesem Bereich viel Mühe. Um aus den Jungen "das Gift der Aggression" auszutreiben, wurde ihre Erziehung an die Erziehung der Mädchen maximal angeglichen.
In experimentellen Klassen dürften die Jungen keine männliche Sportarten ausüben, nicht "Polizist und Räuber" spielen, sie hatten keine Spielzeugwaffen und ihnen wurde verboten irgendwelche Bücher über historische Kämpfe zu lesen. In North Carolina verbot eine feministische Leiterin von der Abteilung des Departements für Kinderentwicklung einer Kinderklinik den Jungen die Spielzeugsoldaten zum Spielen zu geben. Die Leiterin motivierte es auf diese Weise: die Soldaten sind "potenziell gefährliches Spielzeug, da die Kinder sie nutzen, um die Gewalttätigkeit zu spielen." Mehr als 10 Jahre verstümmelte die Amerika ihre Kinder. Und stellte nach und nach fest, dass der Versuch einen neuen Menschen zu kreieren fehlschlug. Deformierung der Psyche der Jungen ist nicht gelungen. Vollkommene Auslöschung ihrer Wesen auch nicht. Jedoch man war darum sehr bemüht, Gott ist der Zeuge! Ein fanatischer Feminist an einer Schule in Baltimore versuchte die 9-jährigen Jungen mit Puppen zu spielen zu überzeugen. Danach verdrehte er die Augen: "Ihre Reaktion war so feindlich, dass die Ruhe im Klassenzimmer nur mit Mühe hergestellt werden konnte". Wer hätte das gedacht!? So konstatierten die Forscher Lockheed & Harris: nach einem Jahr der Gendererziehung ist es den Lehrern nicht gelungen die geschlechtliche Identität aus den Kindern auszutreiben. Bekannt ist, dass Jungen in der Klasse gerne mit den Jungen sitzen, und Mädchen entsprechend mit den Mädchen. Gender- gerecht zwangen die Lehrer Jungen mit Mädchen zu sitzen und Pausen sich an den Händen haltend (Junge und Mädchen) zu verbringen. Kein Wunder, dass die Schüler bei der Befragung angaben, solche Lehrer zu hassen. Mädchen sagten, übrigens, das Gleiche.
Es ist festzustellen, dass die Ideologie des Feminismus unwissenschaftlicher Natur ist und die Verkörperung von dieser unweigerlich die menschenfeindliche Formen einnimmt und mit dem Nationalsozialismus vergleichbar ist. Bezeichnend ist auch, dass der Kampf des Feminismus nicht nur gegen biologische Natur des Menschen, sondern auch gegen die traditionelle menschliche Kultur, einschließlich sämtliche spirituelle und religiöse Traditionen (auch der drei Weltreligionen - Christentum, Islam und Buddhismus), die Normen der traditionellen Moral und gegen die gut etablierte Beziehungstradition in der Kultur von fast allen Nationen ausgerichtet ist. Im Bezug auf die traditionelle Kultur ist der Feminismus eines der Werkzeuge der Zerstörung - und das ist eine andere seiner Aufgaben bei der Zerstörung der sozialen Bindungen und der Atomisierung der Gesellschaft. Der Feminismus - egal ob "rechts" oder "links"- ist ein Instrument der Kapitalokratie zur Zerstörung der traditionellen sozialen Institutionen (Familie, Nation) und Beziehungen.
Er hat 2 Aufgaben: die Atomisierung der Gesellschaft und die Zerstörung des Systems der Erziehung in der Familie. Somit ist er eine Komponente des Programms zur Erschaffung der so genannten "Neuen Weltordnung"- Umformen der Menschheit in eine leicht lenkbare Masse der Konsumenten. Eines der wichtigsten Instrumente der Zerstörung von Fähigkeit der Menschen zur kritischen Wahrnehmung der Realität ist s.g. "Bildungsreform" in der die klassische grundlegende Systemen des Unterrichts durch "modularen" ersetzt werden.
Um eine Vorstellung zu bekommen, was diese "modulare Bildung" ist, führen wir einpaar Beispiele an.

In den Büchern "Manipulation des Bewusstseins" und "Sowjetische Zivilisation" zitierte der S.G. Kara-Murza die französischen Soziologen K. Bodley und R. Establ (*) und beschrieb die qualitative Unterschiede zwischen der systematischen Bildung und der modularen:
"Während in "voller mittlerer" (*Schule) die Naturwissenschaften systematisch und abstrakt, auf der wissenschaftliche Qualifikation der Mineralien, Flora und Fauna basierend, dargelegt werden, wird das Wissen an einer "nicht vollen praktischen" Schule mit Hilfe des empirischen Beobachtens des Umfeldes vermittelt. Systematisieren ist hier ein unerwünschter und gefährlicher Ansatz. Wie es in der Instruktion des Ministeriums steht: "...der Lehrer soll die Schüler von systematischer Beobachtung abbringen. Statt statischen und fragmentarischen Methoden beim Erkunden der Natur soll evolutionäre Methode genommen werden...". Diese Pseudomethoden erlauben die Barrieren zwischen den Fächern zu beseitigen und spielen dabei eine sehr negative Rolle. In einer Klasse so einer "nicht vollen praktischen" Schule nahm man den ganzen Monat das Thema "Pferd" durch: seine Biologie, Beobachtung in der Natur, Zeichnen im Kunstunterricht und Diktaten und Aufsätzen schreiben."
Diese Beobachtungen der französischen Soziologen vervollständigt der Kara- Murza mit eigenen Beobachtungen: "...das was ich hörte, war eine schöne Illustration für die Bücher der französischen Soziologen – der Massenschule wurde empfohlen vom disziplinärem Typ der Bildung auf den "modularen" Typ umzusteigen. Irgendwelche Firmen haben zu dieser Zeit schon 18 Modulen erarbeitet, diese wurden bereits in verschiedene europäische Sprachen übersetzt und in das Schulprogramm aufgenommen. Mir, einem neuen, erschien das Ganze absolut absurd und die normale Bildung zerstörend. Es gab keine Fächer wie Chemie, Physik, Geographie, sondern gab es z.B. einen Modul "Wasser und Wassersituation in Kenia". In diesem Modul erwähnte man nur kurz die Eigenschaften des Wassers und restliche Zeit war dem idiotischen Problem "des Wassers in Kenia" gewidmet".

Vor uns ist die klare Illustration solcher "modularen Ausbildung". Es ist ein Gemisch aus den Wissensfragmenten, die nicht miteinander verbunden sind und keinen Gesamtsystem bilden.
Das Wichtigste, was darin fehlt, ist eine Methode des Lernens und das Bewertungskriterium der Wahrheit und Zuverlässigkeit des Erlernten. Daraus resultiert sich das, was Viktor Docenko als "fünfte Regel der Arithmetik" beschrieben hat: egal was man sagt, ist es auch richtig!
Das heißt, ein Mensch ohne jegliche Vorstellungen über die Quellen und die Kriterien des Wissens (einschließlich der mathematischen und allgemeinen Wissenschaften) lernt die ihm angebotene Daten auswendig, ohne jegliche kritische Reflexion und Verständnis entgegen zu bringen. So ein Ansatz in der Lehre zur scheinbar rein akademischen Disziplinen liefert aussagekräftige, aus sozialer und wirtschaftlicher Sicht Ergebnisse:
"Auf der Chemie- Olympiade 2003 in Moskau schlugen wir den Neuntklässlern vor die Enteisungsmitteln, die in Moskau früher benutzt wurden und die heutigen, von ihrer physisch-chemischen Seite (Enteisungswirkung) zu vergleichen.Unter der beträchtlichen Anzahl der richtigen Antworten (die beste Chemikalie ist normales Speisesalz, das jetzt für diese Zwecke verboten wurde) überraschten uns die phänomenale Antworten wie dieses: "Da es überall berichtet wurde, dass Kalziumchlorid das beste Mittel ist, ist es auch so. Und Speisesalz ist das Schlimmste, weil es verboten wurde dieses zu benutzen". Statt zu berechnen und zu vergleichen, zitierte man die Werbung. Und so argumentierten die Schüler, die für überregionale Chemiewettbewerbe ausgewählt wurden, also nicht die schlechtesten Schüler. Das ist das perfekte PR- wozu denken, wenn es überall gesagt wird..." (Vjatscheslav Zagorsky, "Licht der PR in der Dämmerung der Aufklärung" ("Russian Journal", 11.07.04) zitiert Anrej Borcov, "Debilisatoren")
Diese Geschichten und die Fragen zu diesen verlangten von den Schülern die Arbeit des Intellekts und die natürliche Neugier abzustellen. Den Schülern stand die Option frei, das Lesen und das Denken im allgemeinen hassen zu lernen. Die folgende "Geschichte" und die Fragen rund um "das Verständnis" sind für die anti-intellektuelle Themen, die ich in Lehrbüchern gefunden habe, repräsentativ:
“Einmal sprang eine grüne Maus gleich hinter dem Tiger auf das gelbe Flugzeug. Das Flugzeug verwandelte sich in der Luft in einen großen roten Vogel, und die Maus in einen blauen Kürbis. Der Kürbis fiel auf die Erde, die Kerne trieben aus und aus diesen wuchsen viele Schüssel und Teller. La-La-La." 1) Welche Farbe hatte die Maus? 2) Warum verwandeln sich die Mäuse in Kürbisse? 3) Wie keimen die Samen?" Wirklich, warum verwandeln sich die Mäuse in Kürbisse? Es überrascht nicht, dass solche "Bildung" (und das ist die erste Phase, auf der die weitere Bildung basiert wird) zur solchen Zahlen führt: Die USA sind auf dem 49. Platz Weltweit im Bereich des Alphabetismus (The New York Times, 12. Dezember 2004.), 20% der Amerikaner glauben, dass die Sonne um die Erde kreist. 17% glauben, dass die Erde die Sonne nur an einem Tag umkreist (The Week, 7. Januar 2005.), (Matt James, "The Manchurian Candidate" zitiert vom Andrej Borcov, "Debilisatoren ")
Solche anti-intellektuelle "Bildung" setzt sich in den weiterführenden Schulen fort und übernimmt an weiteren Ausbildungsstätten durch vielen freien "Wahlfächer" die Herrschaft über das systematische Bildungsprogramm "Was ist ein Modul? Dies sei "eine Reihe von pädagogischen Aufgaben, die durch verschiedene Arbeitsarten oder verschiedene, jedoch naheliegende Fächer zu lösen sind". Verstanden? Nicht?
Für die, die es nicht verstanden haben, ein konkretes Beispiel: "Sie wollen ein Spezialist für die Antike werden und wählen deswegen Kurs über die Frisuren in der Antike". Verständlich ist auch, warum dieses zerstückelte, Verzeihung, "modulares Bildungssystem" nicht so erfolgreich verbreitet werden konnte: "für die Europäer ist es auch eine Innovation" [gaben die Reformatoren zu]. Wie man den 15. Chromosom nicht ohne den Grundwissen über die Genen erforschen kann, so kann man auch die Antike nicht anhand des Wissens über die Frisuren in der Antike kennen.
Daher bleibt die Bildung dort, wo von der Qualifikation des Absolventen das Leben und die Geldbörsen abhängen, "totalitär" und "objektiv". Stellt euch einen Chirurgen bei einer OP vor, der im 8. Semester statt an dem Kurs "Wunden verschließen", an dem "Die Bekämpfung der sexuellen Belästigung in einer chirurgischen Klinik"- Kurs teil genommen hatte. Wie viel wird wohl die Klinik für diesen Pudel an die Angehörige der Leiche bezahlen? Dagegen sind die geisteswissenschaftlichen Fakultäten (historischen, philologischen, philosophischen) ein richtiger Ort für die Fetzen der Wissenschaft"(Ilja Smirnov, "Willkommen, Reisende, im dritten Jahrtausend" (" Kontinent "2003, № 116), zitiert: Andrej Borcov, "Debilisatoren").
Nach dem wir nun verstanden haben, was eine s. g. "Modulare Ausbildung" ist, sollten wir uns fragen, warum und zu welchem ​​Zweck die "Reform" des Ersetzens der systematischen Ausbildung durch "modulare" durchgeführt wird.
Diese Reform, die zuletzt auch in Russland ankam, ist in USA und Westeuropa längst verbreitet und liefert die Ergebnisse. Die Bevölkerung ist bereit jedes Bild der Realität einzunehmen, das derzeit die Medien der Massendesinformation zu bitten haben.
"Tatsache ist, dass für die moderne Entwicklung der Gesellschaft nur gute Sklaven benötigt werden. Kreative, denkende Menschen natürlich auch, jedoch nur wenige. Daher muss das gesamte Bildungssystem die Auslese, Zucht und die Dressur von Sklaven konfiguriert werden. Denken lernen sollen die junge Menschen nicht- in der heutigen Gesellschaft wird es nur ihrer beruflichen Zukunft, welche das auch immer sein mag, schaden." (Victor Dos [Docenko], "Die fünfte Regel der Arithmetik." zitiert: Andrej Borcov, "Debilisatoren").
"Die herrschende Elite ist ständig mit einem Widerspruch konfrontiert: um das Regime im wettbewerbsfähigen Zustand zu halten, braucht man qualifiziertes Personal, jedoch je besser dieses ausgebildet ist, desto mehr Wissen hat er außerhalb seinen eigenen Fachwissens. Lehrbuchbeispiele dafür sind der Oppenheimer und der Sacharow. Ideal für die Chefs wäre so ein Fachmann, der alles über das 15. Chromosom weiß, eine vage Ahnung von dem 16. hat und überzeugt ist, dass Weißrussland ein muslimisches Land in der Nähe von Irak ist. Vielleicht nicht Weißrussland, sondern Weiß- Syrien, jedoch gehört dieses unbedingt zerbombt, weil es so im Fernsehen gesagt wurde" (Ilja Smirnov, "Willkommen, Reisende, im dritten Jahrtausend" (" Kontinent "2003, № 116) zitiert: Andrej Borcov, "Debilisatoren").
Dies ist die Bedeutung der "Bildungsreform": Der Mehrheit sollen Wissen und selbständiges Denken vorenthalten bleiben, die kleine Minderheit soll ein exzellentes Wissen und ausschließlich auf eigenem Fachgebiet vorweisen können. Und für die beiden Fälle geltend: Das Ersetzen der ganzheitlichen Weltsicht durch fragmentarisches Wissen und das Anerziehen politischer Korrektheit und der Toleranz.

Qualität der Bildung ist durch die Reduzierung der grundlegenden Disziplinen wie Mathematik, Physik, Chemie und Biologie gesunken. Stattdessen werden die Unterrichtsstunden im Sinne der "Humanisierung und Humanisierung der Bildung" mit wertlosen Geschwätz über Nichts gefüllt.
Das Problem ist jedoch nicht nur die Reduzierung der Unterrichtsstunden für die wissensvermittelnde Fächer, sondern auch die Systemlosigkeit und Zerrissenheit wie der schulischen, so auch weiterführenden Ausbildung. Viele solche Beispiele erwähnt Andej Borcov in seinem Artikel "Debilisatoren".
insbesondere zitiert er die russische Lehrkräfte, die an der europäischen Universitäten unterrichteten und von Fällen berichteten, in denen die Studenten im Mathematikkurs die Differentialgleichungen und Integrale aufbekommen hatten und nicht mal einfache Brüche beherrschen konnten. Bemerkenswert ist die Erklärung, die Akademiker Arnold auf seine Frage über den Ausbildungsstand in USA bekommen hatte: "Unsere amerikanische Kollegen erklärten, dass das niedrige Niveau der Kultur und Allgemeinschulbildung eine gewünschte Leistung im Interesse der wirtschaftlichen Zielen ist. Tatsache ist, dass ein gebildeter Mensch ein schlechter Konsument ist: er kauft weniger Autos und Waschmaschinen und zieht ihnen Mozart, Van Gogh, Shakespeare oder Theoremen vor. Die Wirtschaft der Konsumgesellschaft leidet darunter, aber vor Allem das Einkommen der Besitzer des Lebens. Deshalb versuchen die letzteren die Kultur und Bildung (die auch noch ein Störfaktor bei der Manipulation der Bevölkerung sind) zu verhindern." (A. Nikonov, "Das Ende des Feminismus").

Streng genommen ist diese Formel umfassend und deckt alle Aspekte der "sozialen Innovationen" auf, die von einem engen kapitalokratischen Kreis der Oligarchie diktiert und durchgeführt werden. Meist unter der linke Flagge die Aufschrift "Für Menschenrechte!", "Gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit!", "Für die Gleichberechtigung!" usw. usf. trägt.
Der Sinn all dieser ideologischen und sozialen Innovationen ist einfach: eine drastische Reduzierung des Niveau der Intelligenz, der Bildung und allgemeiner Kultur der Menschheit, um jegliche Erscheinungsformen der menschlichen Interessen auf das Verdienen und Ausgeben des Geldes zu reduzieren, sowie alle möglichen Beziehungen zwischen den Menschen in eine Geschäftsart zu verwandeln.
Diesen Zwecken dient auch die "Bildungsreform" und auch die Privatisierung und die Zerstörung von nichtkommerzieller (einschließlich die klassische) Kunst, die Begrenzung des Horizonts des Denkens durch die politisch korrekte Zensur, die Zerstörung der nationalen Identität und Kultur durch Toleranz und den Multikulturalismus, sowie das Zersetzen aller geistigen Sinne, einschließlich die Persönlichkeit selbst, durch das "kulturelle Paradigma" der Postmoderne und Postmodernisierung.

Das ultimative Ziel ist es einen unpersönlichen, leicht manipulierbaren und vollkommen kontrollierbaren Post-Menschen zu erschaffen, der faktisch ein Bioroboter ist. Was fehlt, ist ein Schalter, die Fernbedienung und kabellose Netzwerkverbindung zum Mikrochips im Gehirn. Aber, so scheint es, es ist nicht mehr fern.

(*) sicher sind die Namen von mir/google falsch übersetzt worden, wenn jemand die richtigen Namen von diesen Soziologen/Buch kennt, bitte korrigieren.

Für die schlechte Grammatik und Satzaufbau entschuldige ich mich- Text wurde (noch)nicht korrigiert.

Ihr habt Angst vor meinem Pimmel

20 March 2012 ~ 1 Comment

Ihr habt Angst vor meinem Pimmel

Quelle: http://wortfluss.blog.com/2012/03/20/ihr-habt-angst-vor-meinem-pimmel/

Hirnfutter locker flockig prosa

Ich habe neulich eine Kurzdokumentation gesehen, über einen Mann, der für das Recht auf Nacktheit kämpft. Der Mann war hässlich und verteidigte sein Recht auf Nacktheit mit Aussagen wie: “Wenn heute selbst Schwule heiraten dürfen, dann sollte man doch auch nackt herumlaufen können!” Er hat offenbar keinen PR-Berater. Mir ist auch nicht ganz klar geworden, ob dieser Mann geistig noch auf der Höhe ist, aber seinen Kampf unterstütze ich trotzdem.

Ja, der Mann hat vollkommen recht sich aufzuregen. Nacktheit ist für uns ein Exklusivrecht, dass nur bestimmten Leuten an bestimmten Orten zugestanden wird. In der Öffentlichkeit wird sie eigentlich gar nicht toleriert, außer es geht darum, im Namen der Kunst möglichst viele nackte Ärsche auf einmal zu fotografieren. Das ist dann okay. Geduldet wird nackte Haut auch, wenn die Nackten weiblich, jung und knackig sind und vielleicht noch für Frauenrechte in Osteuropa demonstrieren. Dann sehen wir großzügig darüber hinweg, dass das ja eigentlich Schweinkram ist. Allgemein ist die Grenze wohl da zu ziehen, wo die Leute etwas nicht mehr ästhetisch finden. Nach dem Motto: “Nackt darf nur sein, wen man auch gern nackt sieht.”

Das zeigt sich besonders an unseren so genannten Popstars. Ohne in regelmäßigen Abständen fast nackt zu sein, geht da ja gar nichts. Betonung auf “fast” nackt. Wenn dann nämlich plötzlich mal ein Nippel zu sehen ist, dreht die Boulevardpresse am Rad und kriegt sich gar nicht mehr ein. Dann haben wir einen “Nippelgate-Skandal” oder so was ähnliches. Definition eines Nippelskandals: Alle haben den Nippel einer bekannten Frau gesehen, aber nicht im Playboy.

Ja, im Playboy ist das was anderes, denn da gehört die Nacktheit hin. Das stört auch nicht, wenn die da ein ganzes Magazin voller Nackter verkaufen. Weil die Fotos ja auch so ästhetisch sind. Und die Nackte sagt hinterher immer: “Wow, ich hätte nicht gedacht, dass ich so gut aussehen könnte. Die Fotos sind wirklich wundervoll und ich glaube darauf kann man stolz sein!” Rhetorische Pause… Merken wir eigentlich noch irgendwas?? Klar sind die Fotos ästhetisch und superschön, denn es gibt ja schließlich Photoshop. Und weil sich die Stars im Playboy nur nackt, aber nicht beim Ficken zeigen, tun wir so, als ob es dabei nicht um Wichsen und Geld geht. Für jeden Euro, den die holde Dame an Gage bekommt, wird ungefähr einmal auf ihre Bilder gewichst. Aber die Fotos sind ja “ästhetisch” und zählen eher als Kunst, denn als Wichsvorlage. Deswegen kaufen sich so viele den Playboy, das sind nämlich alles Kunstinteressierte. “Wow”, sagen die dann, wenn die den neuen Playboy sehen, “diese geilen Titten sind wahrlich ein Kunstwerk! Sie erinnern mich an Rubens…”

Aber einen fetten Mann mit Halbglatze, den will keiner nackt sehen, das geht nicht, das ist unästhetisch und unsittlich und eine Ordnungswidrigkeit. Das Wort ordnungswidrig bringt es auf den Punkt, denke ich. Die Ordnung bedeutet: Jeder ist gut verpackt. Jeder ist so gut verhüllt, dass man ja nicht zu viel Ehrlichkeit präsentiert bekommt. Das wäre ja schlimm, wenn die Reichen plötzlich nicht mehr hübscher wären, als die Armen. Und man sein wahres Alter kaum mehr vertuschen könnte…

Denn wenn man nackt ist, sind die Haare die einzige Ausdrucksmöglichkeit. Das ist eigentlich ein lustiger Gedanke: Wenn wir alle immer nackt wären, dann wäre die Welt der Frisuren ein hart umkämpftes Feld und Friseure wären die großen Helden der Modewelt.

Aber abgesehen von all diesen Dingen, ist Nacktheit für uns Menschen einfach zu etwas Fremdartigem geworden. Wir kommen zwar nackt auf die Welt, aber Kleider zu tragen, ist das Erste, was wir lernen. Nun gut, es ist auch nicht gerade schwierig und oft sogar nötig. Aber sobald man dann ein mündiger Teil der Gesellschaft geworden ist, kann man gar nicht mehr anders, als Kleidung als Norm zu empfinden und Nacktheit, als etwas, was es nur unter der Dusche und beim Sex gibt. So drastisch es klingen mag: Wir Menschen haben nicht nackt zu sein, außer wenn es nicht anders geht. Du bist nackt, obwohl du angezogen sein könntest? Du spinnst wohl! Zieh dir sofort etwas an! Außer, du siehst geil aus, dann tolerieren wir das vielleicht. Aber nur solange, bis wir uns an dir satt gesehen haben.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass mir durchaus klar ist, dass Kleidung einen Sinn hat. Ich will ja auch gar nicht gegen Kleidung hetzen. (Obwohl ich daran vielleicht auch meinen Spaß hätte.) Nein, gegen was ich anrede, ist das Gesetz der Bekleidung. Und vor allem die Doppelmoral dahinter.

Doppelmoral? Ja Doppelmoral! Die Lust sagt uns: Du willst nacktes Fleisch sehen, anfassen, schmecken. Die Lust ist in uns allen und oft genug erliegen wir ihr. Wir holen uns ja doch die Nacktheit wo und wie wir sie wollen, wenn wir sie brauchen. Aber es ist nicht nur die Lust. Wenn wir mal ehrlich sind, nervt Kleidung manchmal einfach nur ziemlich. Das fängt bei 40 Grad im Schatten im Hochsommer an und geht bis zum gemütlichen Zusammensitzen, wo der Hosenzwang eigentlich grundsätzlich aufgehoben gehört. Die Regeln unserer Gesellschaft aber sagen: Zieh dir was an, Junge, zieh dir was an, sonst bist du ja nackt und alle können sehen, wie du wirklich aussiehst! Alles ungefiltert, ungelogen, ohne Feigenblatt und doppelten Boden! Sei frei, aber verlogen. Das nenne ich Doppelmoral.

Klar, was Männer oft am nackt sein hindert, ist ihr Penis. Der könnte zu klein sein, die Hoden zu eckig, oder, oh Schreck, am Ende wird der steif und alle können das sehen. Was soll ich dazu sagen. Den Mythos vom Riesenschwanz, den kann man nicht so einfach aus der Welt schaffen. Ein Mann mit kleinem Schwanz nimmt sich nicht einmal selbst für voll, weil wir uns einreden, dass nur derjenige ein echter Kerl ist, der die Frau beim Sex aufspießen kann wie einen Dönerspieß. Ein Mann wäre erst dann vollends mit sich zufrieden, wenn er die Frau wie ein Brathähnchen an seiner Stange drehen könnte. Das ist unser Ideal. Und wenn mir einer sagt, das stimme nicht, dann will ich eine bessere Erklärung.

Bei Frauen könnte ich jetzt über Orangenhaut, Schwangerschaftsstreifen und kleine, ungleiche, oder hängende Brüste reden. Aber ich spare mir das. Denn all diese Schönheitsfragen führen beim Thema Nacktheit nur an einen Punkt: Wenn wir nackt sind, können wir nichts kaschieren. Und davor haben wir Angst. Wir haben Angst davor, ehrlich sein zu müssen, was unseren Körper betrifft. Ist so. Basta.

Zumindest ist das die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass wir vor der Nacktheit Anderer Angst haben. Manchmal ist es vielleicht Ekel, aber auch der schlägt schnell in Angst um. Ekel eben dann, wenn die Ästhetik fehlt. Und Ästhetik ist nur da, wo unser Schönheitsideal erfüllt wird. Schlank, Jugendlich, gepflegt. Und bei Frauen außerdem Titten. Ist jemand dick, oder faltig, oder sieht ungepflegt aus, dann wollen wir das nicht sehen. Und hässliche Titten wollen wir auch nicht unbedingt sehen. All diese Leute, die niemals im Playboy oder Playgirl sein werden, sollen sich mal schön verpacken. Diese Assis, bäh… Tja, die meisten dieser Assis sind wir. Du und ich, wir alle, bis auf ein paar Ausnahmen, die eben doch in Hochglanzmagazinen sein könnten. Doch das macht es ja nicht besser. Die Sache ist letztlich die, dass wir uns daran gewöhnt haben, dass alles, was wir sehen, dem Ideal möglichst nahe kommt. Denn alles, was dem Ideal nicht nahe kommt, das wird schön vor uns versteckt. Da kann jetzt nicht plötzlich ein fetter Mann mit Halbglatze nackt durch die Gegend spazieren. Das geht einfach nicht, das muss der doch auch einsehen.

Oder nicht? Nein, muss er nicht, sage ich. Und ich tue das auch nicht. Ich habe zwar nicht den Drang, ständig nackt zu sein, aber manchmal durchaus. Ich praktiziere aber nicht in der Öffentlichkeit, denn sonst kommt die Polizei. Das ist schon einmal passiert, das hat mich 105 Euro gekostet. Das mache ich so schnell nicht wieder.

Diese persönliche Erfahrung mit dem Nacktsein und den Gesetzeshütern, war einer von vielen Punkten, die mich zum Nachdenken über das Thema Nacktheit gebracht haben. Ich muss dazusagen, ich hatte schon immer ein recht geringes Schamgefühl, wenn es um so was ging und letztlich hat gerade das mich in diese Geschichte hineingezogen. Jedenfalls war das so: Es war mitten in der Nacht und kaum jemand hat uns gesehen, wie wir in diesem Brunnen Nacktbaden waren. Leider fuhr die Polizei zufällig vorbei. Die kamen dann her und meinten, wir sollten uns gefälligst anziehen. Die Beamten waren sichtlich genervt. Nachvollziehbar: Angetrunkene Nacktbader zu bändigen ist kein Traumjob. Meine Freunde haben sich angezogen, ich aber nicht. Ich fragte zurück, warum ich mich anziehen solle und meinte ein paarmal: “Ich bin doch nur nackt.” Ende der Geschichte: Ich werde in den Streifenwagen verfrachtet und zum Revier gefahren. Und hier beginnt der, aus meiner Sicht, interessante Teil. Der Plan von Freund und Helfer war offenbar, mich dadurch zu demütigen, dass ich erst einmal durch das halbe Revier geführt wurde, bevor ich mir etwas anziehen durfte. Ich will keineswegs darauf hinaus, diese Methode zu kritisieren, das ist mir egal. Nein, was ich interessant fand, war, dass die ernsthaft glaubten, dass ich jetzt, ohne meine Freunde und im hell erleuchteten Revier vor einem halben Dutzend Polizisten und Polizistinnen, plötzlich Schamgefühlte entwickeln würde. Naja, stattdessen habe ich den Moment irgendwie genossen. Eine der anwesenden Polizistinnen meinte herrlich überrascht: “Der ist ja GANZ nackt!” Ich wurde dann auch ganz klassisch gefragt, ob ich mich jetzt immer noch cool fände. Ich habe ihnen gesagt, das es mir nicht darum ginge, cool zu sein, aber das hat mir niemand geglaubt. Als sie dann meine Personalien hatten, durfte ich mich auch wieder anziehen und nach Hause gehen. Heute bereue ich das Ganze, aber nur, weil es mich 105 Euro gekostet hat. Das war ein teurer Spaß.

Naja, jedenfalls hat mir das gezeigt, wie sehr das Thema Nacktheit in unseren sozialen Praktiken seinen festen Platz hat. Denn selbst von einem Flitzer wird erwartet, dass er sich seiner Nacktheit schämt, sobald er festgenommen wurde. Das finde ich doch bemerkenswert. Außerdem fand ich interessant, wie viel Ekel und Verachtung aus dem Verhalten der Polizisten mir gegenüber sprach. Alles, weil ich keine Kleidung getragen hatte.

Was die Polizisten einfach nicht verstehen konnten, war mein mangelndes Schamgefühl. Wahrscheinlich geht es Ihnen, lieber Leser, gerade genauso. Und wahrscheinlich bin ich gerade in Ihrem Ansehen gesunken. Das wäre nur normal. Schade ist, dass ich sie jetzt wohl nur noch schwerlich davon überzeugen kann, das Thema Nacktheit mal ganz unbefangen zu überdenken. Aber noch gebe ich nicht auf!

Schamgefühl, soziologisch betrachtet, ist wohl die Erwartung, von anderen Leuten sozial diskriminiert zu werden, aufgrund von etwas, dass man getan hat, oder einem Zustand, in dem man sich befindet. Wir haben das Gebot der Bekleidung so verinnerlicht, dass wir automatisch Bestrafung erwarten, wenn wir es brechen. Grundsätzlich ist das sehr praktisch für uns Menschen, denn so versuchen wir automatisch, Situationen zu vermeiden, die unseren Status in der Gesellschaft gefährden. Meine Überzeugung aber ist es, dass nicht alles, was wir traditionell eben so machen, deshalb auch gut ist. Und das Gebot der Bekleidung ist ein ideales Beispiel. Ich schließe mich dem nackten, dicken Mann mit Halbglatze aus der Dokumentation an, wenn er proklamiert, dass in einer freien Gesellschaft, in der immer mehr Lebensformen ihre Berechtigung zugestanden wird, auch die Nacktheit ihren Platz haben sollte. Wenn jemand nackt sein möchte, dann soll man ihn doch lassen.

Jetzt komme ich wohl an den Punkt, wo ich das Argument dafür bringen müsste, warum wir eine so fest eingefahrene Tradition mit so viel Aufwand aufsprengen sollten. Denn der Weg ist sicherlich kein leichter. Ist das denn die Mühe überhaupt wert, selbst wenn man es wollte? Das ist eine schwierige Frage und um ehrlich zu sein habe ich nur das Argument der Freiheit und Natürlichkeit. Ich weiß nicht, ob die Welt besser wäre, wenn wir Nacktheit nicht mehr so sehr ächten würden. Aber sie wäre irgendwie freier und natürlicher. Das wäre sie ganz bestimmt. Und davor haben wir Angst. Nein, ihr habt davor Angst! Ihr habt Angst vor meinem Pimmel!

“Nackte Angst” ist dazu ein interessanter Ausdruck. Nackte Angst heißt, Angst, ohne Grenze, ohne Limit, ohne Trübung, ohne Hoffnung. Ich würde sagen: Nackte Angst, bedeutet ehrliche Angst. Nackt = ehrlich. Ich mache es mir vielleicht zu einfach.

Denn Nacktheit, das bedeutet auch Intimität. Man zeigt sich nicht vor jedem nackt, aber dem oder der Liebsten schon. Und das ist dann etwas besonderes. Ein Zeichen von Vertrauen und Zuneigung. Manchmal auch nur ein Zeichen übermäßiger, alkoholinduzierter Paarungsbereitschaft. Aber das kommt auf das gleiche heraus. Was würde es für Intimbeziehungen bedeuten, wenn wir alle ab und zu mal nackt durch die Gegend laufen würden? Ich wünschte, ich könnte dafür die Meinungen von FKK-Veteranen zu Rate ziehen, kann ich aber nicht. Dabei hätte ich so viele Fragen. Ziehen FKK-Frauen Reizwäsche an, wenn sie ihren Liebsten verführen wollen? Oder macht das keinen Sinn, wenn man FKK betreibt. Hat man in als FKKler öfter Sex? Warum ziehen manche zum Einkaufen in einem FKK-Campingplatz Klamotten an? Glaubt mir das jemand, wenn ich sage, ich habe mal eine Ankündigung für einen Miss-FKK-Campingplatz-Wettbewerb gesehen? Nun ja, ich muss zugeben, ich kann nicht sagen, was es für Intimbeziehungen bedeuten würde, wenn die Exklusivität des Nacktseins wegfiele. Ich bin allerdings fest davon überzeugt, dass Beziehungen über so was drüber stehen müssen. Ansonsten könnten wir, anstatt von Eheringen, ja auch gleich Schlüssel für des jeweils anderen Keuschheitsgürtel austauschen.

Das bringt mich zu einem anderen Punkt: Diese universale Geilheit, diese Sex-sells-scheiße an jeder Ecke, dieser gut unterdrückte, animalische Hang, alles zu begatten, was herumläuft, kommt das eventuell davon, dass im echten Leben alle angezogen, bieder und sexuell verschlossen sind? Haben wir es nur einer Begrenzung der Reize im öffentlichen Raum zu verdanken, dass das Lustventil dem Druck noch standhält … Wow. Falls dem so ist, dann argumentiere ich gerade dafür, den Trieben freien Lauf zu lassen. Kann ich nur bedingt gut heißen.

Ist aber auch interessant. Ist Kleidung Zeichen unserer Zivilisation? Werden wir zu Wilden, wenn wir nackt herumlaufen? Siegt der Trieb, wenn der Reiz allgegenwärtig ist? Nein, kann nicht sein, denn soweit ich weiß, sind FKK-Campingplätze keine Rudelbummsvereine.

Nun, wie man es auch dreht und wendet, am Ende steht eins fest: Wir pflegen ein seltsames Verhältnis zur Nacktheit. Wir lassen nur nackte Haut von schönen Menschen zu, sodass wir “nackt” mittlerweile fast schon mit “schön” sein gleichsetzen. Grundsätzlich aber wird Nacktheit geächtet und bestraft, ob nun mit sozialer Diskriminierung, oder durch die Polizei. Denn ihr habt Angst vor meinem Pimmel!

© Image by Thorben Luberg

Ein Essay, das ich einst für einen Wettbewerb schrieb. Und weil es einfach mal gesagt werden musste

Samstag, 31. März 2012

Gender Wage Gap

Löhne: Die Wahrheit über die Ungleichheit

  • • Frauen und Männer verdienen in Österreich bei gleicher Arbeit ähnlich viel
  • • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit nahezu erreicht
Quelle: http://www.profil.at/articles/1213/560/323607/einkommen-loehne-die-wahrheit-ungleichheit

Frauen verdienen in Österreich bei gleicher Arbeit um ein Viertel weniger, trommeln Politikerinnen seit Jahren. Gleich zwei Equal Pay Days pro Jahr und noch mehr Kampagnen verbreiten diese Botschaft. profil hat neueste Berechnungsmethoden und Studien analysiert: Die weit geöffnete Lohnschere ist ein Mythos.

Von Gernot Bauer und Robert Treichler

Wir beginnen mit einer peinlichen Mitteilung: Der Anlass für diese Geschichte ist längst vorbei. Es war noch nie der Fall, dass eine profil-Coverstory mit einem solchen Satz anfängt, aber diesmal ist eine Ausnahme gerechtfertigt. Der Anlass für diesen Artikel ist der so genannte „Equal Pay Day“, auf Deutsch: „Tag der Einkommensgleichheit“. An diesem Tag würden Frauen dasselbe Gehalt erreichen, das Männer für die gleiche Arbeit bereits mit Ablauf des Vorjahrs eingestreift hätten. Heuer wäre das der 5. April, der Donnerstag dieser Woche. So die offizielle Darstellung. Bloß stimmt das nicht. Der tatsächliche Equal Pay Day wäre irgendwann im Jänner gewesen, er verlief gänzlich ereignislos und wurde weder von Frauennetzwerken noch von Frauenministerin ­Gabriele Heinisch-Hosek erwähnt.

Und das hat einen ganz einfachen Grund: Die Behauptung, die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern klaffe bei gleicher Arbeit um von der Statistik Austria amtlich ermittelte 25,5 Prozent auseinander, macht in der Debatte naturgemäß mehr her als der – wesentlich erfreulichere – weit niedrigere Prozentsatz, der den Tatsachen entspricht. Die Klage, wonach Frauen in Österreich im selben Job „um ein Viertel“ weniger verdienen, gehört zum Equal Pay Day wie die Kreuzwegandacht zum Karfreitag. Und das, obwohl viele Studien und Erhebungen längst andere Ergebnisse liefern. Wenn Ministerin Heinisch-Hosek argumentiert, Frauen würden „weniger als Männer verdienen, nur weil sie Frauen sind“, irrt sie. Die behauptete skandalöse Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechts findet so nicht statt.

Doch das Festhalten an der Opferrolle erleichtert es Frauenpolitikerinnen aller Couleurs, politische Interessen durchzusetzen. Die Anliegen ­mögen legitim sein, wie die Forderung nach Quotenregelungen in Führungsetagen oder nach Mindestlöhnen. Sie ändern aber nichts daran, dass Frauenpolitikerinnen bewusst mit falschen Zahlen operieren. Die Gender-Pay-Gap-Folklore ist eine Waffe im aufgeheizten Geschlechterkampf geworden.

profil befragte Betriebsratsvorsitzende einiger der größten Unternehmen in Österreich zum Thema Einkommensgerechtigkeit und bekam erstaunlich gleichlautende Antworten: Es gebe keine Diskriminierung. Die Einzigen, die diese frohe Nachricht nicht zur Kenntnis nehmen wollen, sind die Apologetinnen des Mythos von der weiblichen Einkommensbenachteiligung bei gleicher Arbeit um ein Viertel.

Dem Elan, mit dem der Equal Pay Day an diesem Donnerstag gefeiert wird, tut derlei Kritik bestimmt keinen Abbruch. Zur Sicherheit wird ohnehin schon im Herbst der nächste Equal Pay Day ausgerichtet, dann nämlich von den Gewerkschaften (siehe Kasten Seite 23). Sich doppelt benachteiligt zu fühlen hält offenbar besser. Das Festhalten an überkommenen Mythen grenzt freilich an Realitätsverweigerung.

Mythos „Riesen-Lohnlücke“

In der Stunde ihres Erfolgs wählte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, SPÖ, eine Kfz-Allegorie: „Wir haben auf der Autobahn der Gleichstellung ein wichtiges Teilstück eröffnen können.“ Der neue Schnellstraßenabschnitt fand legistischen Niederschlag in einer Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes. Seit März 2011 müssen Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern Berichte über die durchschnittlichen Einkommen ihrer weiblichen und männlichen Beschäftigten vorlegen. Heuer betrifft die Berichtspflicht auch Betriebe ab 500 Mitarbeitern und bis zum Jahr 2014 alle ­Unternehmen mit über 150 Arbeitnehmern. Die jeweiligen Adressaten: Betriebsräte und Mitarbeiter. Das Nahziel: Lohntransparenz. Das Fernziel: gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Etwa 90 Prozent der 200 heimischen Großbetriebe erstellten die gesetzlich vorgesehenen Einkommensberichte. In der Praxis bestehen die Reports aus einer Anhäufung anonymisierter Zahlenreihen und Excel-Tabellen, gedacht allein für den betriebsinternen Gebrauch. Weder Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung noch ÖGB und Arbeiterkammer – und schon gar nicht das Frauenministerium – verfügen über eine zusammenfassende Analyse. Gabriele Heinisch-Hosek ist auch ohne Detailkenntnisse zufrieden: „Mit den Einkommensberichten bringen wir Licht ins Dunkel der Gehaltsunterschiede. Wenn es Lohnunterschiede im Unternehmen gibt, dann wird keine Geschäftsführung mehr die Augen davor verschließen können.“

Angesichts der Ergebnisse dürfte sich nun vielmehr die Frauenministerin selbst vor Staunen die Augen reiben. Wahr ist: Es gibt keine wesentlichen Lohnunterschiede. In den heimischen Großkonzernen ist die frauenpolitische Langzeitforderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit bereits betriebliche Realität, quer durch die Sparten: von Finanzkonzernen wie der Wiener Städtischen Versicherung und der Raiffeisen International Bank über Handelsriesen wie Spar bis zu Industriebetrieben wie Voest, OMV, Infineon und Lenzing oder Österreichs größtem Gastronomiekonzern McDonald’s (siehe hervorgehobene Zitate). Exemplarisch die Stellungnahme von Fritz Hagl, Zentralbetriebsratsvorsitzender der Siemens AG Österreich (12.000 Mitarbeiter): „Der Bericht zum Einkommens-Transparenzgesetz ergibt, dass es de facto keine Unterschiede bei den Einkommen weiblicher und männlicher Mitarbeiter gibt. Dort, wo noch marginale Unterschiede auftreten, sind diese durch Montagearbeiten beziehungsweise die unterschiedliche Abgeltung von Mehrleistungen erklärbar.“

Damit hat wohl kaum jemand gerechnet. Gedacht waren die Einkommensberichte als Druckmittel gegenüber Unternehmensführungen, denen Geschlechterdiskriminierung bislang einfach egal war. Dass der Mythos von den 25 Prozent Lohnunterschied bei gleicher Arbeit nicht länger zu halten ist, war schon lange klar. Die Wissenschaft hat in dieser Frage ziemliche Fortschritte gemacht und sich von der „unbereinigten“ zur „bereinigten“ Lohnlücke vorgearbeitet. Gibt der unbereinigte Gender Pay Gap bloß den Unterschied zwischen den Durchschnittseinkommen von Frauen und Männern an, dann erlaubt die bereinigte Version, so genannte erklärbare Unterschiede herauszurechnen. Das ­bedeutet, dass sowohl persönliche als auch arbeitsplatzbezogene Faktoren, die einen Einfluss auf den Lohn haben, berücksichtigt werden, sodass der Einkommensunterschied am Ende nach ­Möglichkeit nur noch aus einem „unerklärlichen“ Rest besteht, für den die Frauendiskriminierung verantwortlich gemacht wird.

Laut einer Studie, die von vier renommierten österreichischen Wissenschaftern der Universität Linz, der Statistik Austria, des Wirtschaftsforschungsinstituts und der Universität Wien erstellt wurde, schrumpft der österreichische Gender Pay Gap von 25,5 Prozent auf diese Weise um mehr als die Hälfte, und übrig bleiben etwa zwölf Prozent Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen, die mittels der vorhandenen ­Daten nicht erklärt werden können. Die Studienautoren, darunter Christine Zulehner, eine Expertin für feministische Ökonomie, halten fest, dass ein Teil der verbliebenen zwölf Prozent des Gehaltsunterschieds durch Faktoren wie Karrieremotivation und Engagement bedingt sein könnten. Nur für den Rest gilt tatsächlich der Verdacht auf Frauendiskriminierung.

Das deutsche Bundesamt für Statistik verfügt dank einer Stichprobe von 3,1 Millionen Beschäftigten über so detaillierte Daten, dass es nicht weniger als 15 verzerrende Faktoren ausschalten kann – darunter neben Qualifikation und Berufserfahrung auch Branche, Art des Arbeitsvertrags, Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen, Unternehmensgröße, Zulagen, Einfluss der öffentlichen Hand, regionale Unterschiede, Leistungsgruppen und noch einige mehr. Auf diese Weise reduziert sich der Lohnunterschied in Deutschland auf nur noch acht Prozent. Dabei sind Babypausen als Ursache für geringere Einkommen noch gar nicht berücksichtigt, weil ausgerechnet dazu die Daten fehlen.

Man sieht: Von den 25 Prozent Lohnunterschied ist die Realität weit entfernt, die Wahrheit ist einstellig. Es gibt jedoch auch Kritiker dieser statistischen Bereinigung, die einwenden, einige der Faktoren hätten sehr wohl diskriminierenden Charakter. So sei die Tatsache, dass einige der typischen Frauenberufe besonders schlecht bezahlt sind, ein Beweis dafür, dass die Benachteiligung auf umfassendere Weise wirke. Wann immer Frauen einen Beruf für sich erobern, sinke die Entlohnung.

Würde dies zutreffen, müssten etwa die Ärzte bereits schwere finanzielle Einbußen hinnehmen, denn der Frauenanteil unter den Medizinern liegt bei rund 40 Prozent und steigt ständig. Die Ärztekammer beobachtet auch einen „großen Spardruck“, führt diesen jedoch auf generelle Reformen im Gesundheitssystem und nicht etwa auf den Anstieg der Zahl weiblicher Kolleginnen zurück. Tatsache ist, dass der bereinigte Wert von acht Prozent Lohnunterschied sogar auf der Webseite der deutschen Equal-Pay-Day-Initiative angeführt wird. Auf das Datum des Gedenktags selbst hat dies allerdings keinen Einfluss.

Mythos „Managerinnen-Diskriminierung“

Egal, wie weit hinauf Frauen die Karriereleiter steigen, die Benachteiligung klettert mit, so will es das Gender-Pay-Gap-Klischee. Diesen Eindruck erhärtete ein Rechnungshofbericht aus dem Jahr 2011, in dem unter anderem Gehälter von Vorstandsmitgliedern in staatsnahen Betrieben untersucht wurden. Demnach verdienen weibliche Manager bloß 64 Prozent dessen, was männliche Manager bekommen. Dies stieß auf „Unverständnis“ bei den Abgeordneten des Rechnungshofausschusses, vermerkt die Parlamentskorrespondenz.

Kein Wunder. Wie kann es sein, dass trotz des gesetzlich festgelegten Grundsatzes gleicher Bezahlung weibliche Manager um fast ein Drittel betrogen werden? Und das in staatsnahen Unternehmen? Der ÖVP-Abgeordnete Gabriel Obernosterer zeigte sich in der Debatte konsterniert, die Frauensprecherin der Grünen, Judith Schwendtner, entrüstete sich in einer Aussendung.

Der vermeintliche Skandal lässt sich relativ leicht aufklären. Einen ersten Hinweis auf die Ursache unterschiedlicher Gehälter gibt die Auflistung der Branchen, in denen die Vorstände am besten verdienen: Bergbau, ­Finanzdienstleistungen, Energieversorgung, Land- und Forstwirtschaft sowie Verkehr. In diesen fünf Branchen beträgt der Anteil der weiblichen Vorstände im Schnitt 1,4 Prozent.

Daraus könnte man, einem alten Topos der Einkommensscherendogmatik folgend, schließen, dass weiblich dominierte Berufsfelder benachteiligt würden. Allein, die gibt es nicht. Der höchste Frauenanteil in einer einzelnen Branche liegt bei etwa einem Drittel (Einrichtungen künstlerischer Art). Das bedeutet, dass bei jeder Diskriminierung mindestens zwei Drittel der Benachteiligten Männer wären. Außerdem rangieren etwa die Vorstände der Einrichtungen künstlerischer Art in den Verdienst-Charts auf dem guten siebten Rang (von 22).

Der Rechnungshof hat die vorliegenden Zahlen nicht nach Branchen ausgewertet. profil stellte dafür folgende Rechnung an: Zunächst wurden aus der Gesamtheit der weiblichen Vorstandsmitglieder diejenigen herausgefiltert, die in einem gemischt-geschlechtlichen Vorstand sitzen. Danach wurden die Gehälter der Frauen und Männer im selben Vorstand miteinander verglichen und errechnet, welchen Prozentsatz die Frauen erreichen. Dabei wurde evident, dass es zwischen den Gehältern der Vorstandsmitglieder in Einzelfällen erhebliche Unterschiede – sowohl zugunsten von Männern als auch zugunsten von Frauen – gibt. Wie nicht anders zu erwarten, verdient ein Vorstandsvorsitzender weit mehr als ein einfaches ­Direktoriumsmitglied.

Überraschend ist, dass Frauen im Schnitt etwa 95 Prozent dessen verdienen, was ihre männlichen Kollegen im selben Vorstand erhalten. Diese Diskrepanz liegt angesichts der geringen Grundgesamtheit unterhalb der statistischen Signifikanz. Managerinnen verdienen also fürs Managen gleich viel wie Manager.

Man könnte sich darüber empören, dass Vorstände in Bergbau-Unternehmen besser bezahlt werden als zum Beispiel Vorstände im Bereich Beherbergung und Gastronomie. Das hat jedoch kaum Gender-Bedeutung oder Diskriminierungshintergrund und lässt somit vermutlich sowohl die Abgeordneten des Rechnungshofausschusses als auch die Frauensprecherinnen der Parlamentsparteien kalt.

Unbestreitbar ist die Tatsache, dass nur sehr wenige Frauen – gerade einmal 15 ­Prozent – überhaupt in den Vorständen der untersuchten staatsnahen Unternehmen zu finden sind. Ein Chancengleichheitsskandal gewiss, aber kein Fall für die Lohnlücken­polizei.

Mythos „Teilzeitfalle“

Frauen sitzen in der „Teilzeitfalle“, sagt Frauenministerin Heinisch-Hosek. Mittels einer Informationskampagne möchte sie die Betroffenen aus ihrer misslichen Lage befreien. Frauen in Teilzeit hätten laut SPÖ-Aussendung „immer weniger Geld im Börsel als Frauen, die Vollzeit arbeiten können“. Das stimmt. Ein großer Teil des unbereinigten Gender Pay Gap in Österreich rührt daher, dass sehr viele Frauen Teilzeit arbeiten. Im EU-Vergleich (Durchschnitt: 30,8 Prozent) liegt Österreich mit einer Teilzeitquote von 44 Prozent im vorderen Drittel. Auch wieder ein Anschlag frauenfeindlicher Kräfte gegen die Lohngerechtigkeit, könnte man meinen. So ist es aber nicht. Die Forderung nach einem „gesetzlich garantierten Anspruch auf Teilzeitarbeit für Eltern bis zum Schuleintritt ihres Kindes mit Rückkehrrecht zur Vollzeitarbeit“ war der Punkt acht des Frauenvolksbe­gehrens aus dem Jahr 1997. Als die schwarz-blaue Regierung im Jahr 2004 dann endlich die Elternteilzeit einführte, gingen die SPÖ-Gewerkschafterinnen fast auf die Barrikaden, weil das Recht auf Inanspruchnahme Mitarbeitern von Unternehmen mit mehr als 20 Angestellten vorbehalten bleiben sollte. Auch der Grün-Abgeordnete Karl Öllinger wetterte im Parlament: „Recht auf Teilzeit – super! Aber, bitte, für alle!“

Plötzlich ist alles anders: Teilzeit gilt als Teufelszeug, das allzu viele Frauen in seinen Bann zog. Und während noch 2008 von den ÖGB-Frauen die Broschüre „Elternteilzeit“ unter dem Logo „Frauen haben Zukunft“ verteilt wurde, schimpft jetzt Heinisch-Hosek: „Teilzeit ist eine Mogelpackung.“ Der Schwindel bestünde darin, dass Teilzeitbeschäftigte weniger verdienen als ihre Vollzeitkollegen (und -kolleginnen) und dass als Folge später auch die Pensionen geringer ausfallen. Diese doch recht simplen Zusammenhänge sollten eigentlich von Anfang an klar gewesen sein. Auch dass im Regelfall eher Frauen das Recht auf Elternteilzeit, das immerhin bis zum siebten Geburtstag des Kindes besteht, in Anspruch nehmen, kann niemanden überrascht haben.

Der scheinbare Sinneswandel in der Frauenpolitik ist polittaktisch zu erklären. Ideologisch war den Feministinnen die Teilzeit wohl nie ganz geheuer, andererseits wollten sie sich nicht gegen ein Recht stellen, das von vielen Frauen ersehnt wurde. Das Ganze nun in einen Kampf um Lohngerechtigkeit neu zu verpacken, scheint ein glorreicher Ausweg zu sein.

Mythos „Schlusslicht Österreich“

Die nackte Statistik spricht eine klare Sprache: Österreich ist bei der Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern so ziemlich das Letzte. Präzise ist es das Vorletzte, denn zusammen mit unserem Nachbarland, der Tschechischen Republik, liegt Österreich nur besser als Estland. In diesem Elend suhlen sich heimische Gender-Pay-Gap-Fans gern, denn wenn ein Land im europäischen Vergleich so mies abschneidet, muss einfach alles im Argen liegen.

Für Selbsthass besteht freilich kein Anlass. Alle seriösen Studien zum Gender Pay Gap weisen darauf hin, dass sich eine hohe Frauenerwerbsquote tendenziell negativ auf den statistischen Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen auswirkt. Malta etwa erzielt beim Gender Pay Gap Traumwerte im einstelligen Bereich. Gleichzeitig grundelt der Prozentsatz der erwerbstätigen Frauen auf Malta im europäischen Vergleich bei 39 Prozent.

Ähnlich ist es bei Polen oder Italien. Das Phänomen wird im Fachjargon „self selection“ genannt. Arbeiten in einem Land vor allem Frauen, die aufgrund höherer Qualifikation entsprechend motiviert sind, ergibt sich ein höheres weibliches Durchschnittsgehalt, denn aufseiten der Männer stehen auch die Unqualifizierten im Erwerbsleben. So handelt es sich bei den auf Malta erwerbstätigen Frauen im EU-Vergleich überproportional um besser gebildete Arbeitnehmerinnen, denen die Mittelmeerinsel auch den guten Wert beim Gender Pay Gap verdankt (siehe Grafik rechts). In Wirklichkeit handelt es sich bei Malta eher um ein unterentwickeltes Land, was die Stellung von Frauen am Arbeitsmarkt ­betrifft.

In Polen wiederum verdienen Frauen, die in den fünf am meisten von Männern dominierten Branchen arbeiten, um fast 17 Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen. Auch da ist keine Diskriminierung am Werk: Während die Masse der ungelernten Arbeiter männlich ist, finden sich in der Verwaltung einige Frauen. So schlägt der Gender Pay Gap im Einzelfall in die Gegenrichtung aus.

Doch eine Situation, in der nur ­wenige Frauen arbeiten – und sei es auch in gut bezahlten Jobs –, ist weder aus feministischer noch aus volkswirtschaftlicher Sicht wünschenswert. Deshalb steht Österreich weit besser da, als es die Gender-Pay-Gap-Skala vermuten lässt. Auch die Erwerbsquote von Müttern mit Kleinkindern liegt laut Euro­stat in Österreich bei 58 Prozent und damit bloß um zwei Prozentpunkte hinter Frankreich, das gern als Paradies der Kinderbetreuungseinrichtungen gepriesen wird.
Ohnehin liefern internationale Studien zur finanziellen Gleichstellung von Mann und Frau mitunter zweifelhafte Ergebnisse. Im viel zitierten Gender Gap Report des World Economic Forum erreicht Österreich bei der Kennzahl „Lohngerechtigkeit“ den 116. Platz. In nur 19 Ländern der Welt ist die Gehaltsschere noch größer, darunter freilich nicht nur Tschechien, sondern auch Spanien, Italien und Frankreich. Die Sieger in der Kategorie „Lohngerechtigkeit“ sind eine Überraschung: Auf Platz 1 des Rankings liegt Ägypten. Danach folgen Lesotho und Albanien.

Mythos „Die Frau – ein ewiges Opfer“

Die Experten der Arbeiterkammer Nieder­österreich wollten es genau wissen, und jetzt ist es amtlich: In exakt 62 Jahren, im Jahr 2074, wird in Österreich Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern herrschen. Die Prognose der Arbeiterkämmerer kommt an Aussagekraft und Verlässlichkeit dem Maya-Kalender nahe. Aber immerhin enthält die Berechnung die Annahme, dass ein Fortschritt bei der Bezahlung von Frauen möglich sei. Denn üblicherweise ist das Lamento, dass sich die Lohnschere nicht schließe, ein Fixpunkt auf der Gerechtigkeits-Mängelliste von Frauenpolitikerinnen aller Parteien. Doch auch das beliebte Postulat „Nichts hat sich verbessert“ löst sich durch einfaches Fact-Checking auf. Aus der oben zitierten Wifo-Studie zu den Lohnunterschieden geht nicht nur hervor, dass der bereinigte Pay Gap weit kleiner ist als bisher angenommen – er hat sich auch im Lauf der Jahre verringert. Betrug der „unerklärliche“ Anteil beim Lohnunterschied 1983 noch 17 Prozent, so waren es 1997 noch 14 und zuletzt maximal zwölf Prozent.

Frauen haben fast alle Bereiche des Arbeitsmarkts erobert, die Frauenbeschäftigung nahm in den vergangenen 25 Jahren um 40 Prozent zu. Mittlerweile sind 66,4 Prozent der Frauen berufstätig. Legistische Meilensteine wie das Gleichbehandlungsgesetz aus dem Jahr 1993 sorgten für eine Verringerung der Diskriminierung.

Seit dem Jahr 1999 ist das Ausbildungs­niveau von Frauen in Österreich höher als ­jenes der Männer. Zusätzliche Hilfestellungen, wie die Bevorzugung von Frauen bei Aufnahmetests zum Medizinstudium an der Medizinischen Universität Wien dank „genderspezifischer Ermittlung der Testwerte“, sorgen dafür, dass ein numerischer Gleichstand zwischen Männern und Frauen erzielt wird.

Die Wifo-Studie hält dezidiert fest: „Wenn der Gender Wage Gap eine Folge von Diskriminierung der Frauen ist und nicht eine Folge deren unterschiedlicher Produktivität, dann erwarten wir, dass sich diese Lücke mit der Zeit und dank der Einführung von Gleichbehandlungsgesetzen schließt.“ Die Tendenz ist eindeutig und wohl unumkehrbar.

Doch statt ihre Erfolge zu vermarkten, pflegen die heimischen Politikerinnen lieber weiterhin den Mythos der immerwährenden Opferrolle der Frauen. Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Internationalen Frauentags am 8. März 2011 wagte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer einen noch weiteren Blick in die Zukunft als die Arbeiterkammer Niederösterreich: Sie glaube, beim 200. internationalen Frauentag werde man staunen: „2011! Nicht vorstellbar! Das war das Mittelalter!“

Die positive Realität, dass Frauen hierzulande real eben nicht um ein Viertel weniger verdienen, wird geleugnet. Die Vorsitzende der ÖGB-Frauen Brigitte Ruprecht: „Wir bilden uns diese Unterschiede nicht ein. Es gibt sie.“
Richtig ist: Beharrt man auf der Verwendung des unbereinigten Gender Pay Gap, so wird die Lage weiterhin trist erscheinen. Es wird sich nicht ändern, dass Frauen mit unterdurchschnittlicher Qualifikation und längeren Erwerbspausen, die in Niedriglohnbranchen arbeiten, weniger verdienen als höher qualifizierte Männer, die nicht in Karenz gehen und besser bezahlte Berufe ergreifen.

Da taugt der Slogan „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nichts, da bräuchte es kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen. Seit der legendären Johanna Dohnal scheiterten alle Frauenministerinnen von SPÖ
und ÖVP daran, Mädchen für männlich dominierte, besser bezahlte Lehrberufe zu be­geistern. Die OMV schrieb unlängst 15 Technik-Stipendien für Maturantinnen aus, um ­zukünftige weibliche Ingenieure für das Unternehmen zu rekrutieren. Die Bewerbungen halten sich dem ­Vernehmen nach in Grenzen. Weibliche Techniker im Österreich des Jahres 2012 sind noch immer so selten wie männliche Frauenminister. In den Familien mit Kindern geht weiterhin die Mutter (länger) in Karenz und arbeitet danach eher Teilzeit als der Vater.

Dass die gewaltigen Lohnlücken ein Mythos sind, gilt auf jeden Fall für die Parteizentralen der Koalitions­partner. Bei der Einführung der verpflichtenden Einkommensberichte vergangenes Jahr erklärte die ÖVP stolz, „keinen Handlungsbedarf“ zu haben, da eine Überprüfung „keine strukturellen Unterschiede bei der Bezahlung von Frauen und Männern“ ergeben habe.

Und auch Gabriele Heinisch-Hosek frohlockte: „Wir haben es schwarz auf weiß: Keine Einkommensnachteile für Frauen in der SPÖ.“ An den niedrigen Frauenquoten im roten und schwarzen Parlamentsklub ändert das freilich nichts. Aber wenn es um den eigenen Laden geht, ist die bereinigte Form des Gender Pay Gap höchst willkommen.

Freitag, 4. November 2011

Mal was grundsätzliches .... zum Feminismus

Dieser Artikel von Stefan Sasse erscheint mir so wertvoll, dass ich ihn in Gänze in meinen Blog übernehme, damit er für alle Zeiten erhalten bleibt.

Gleichzeitig will ich aber auch auf den Blog des Autors verweisen, der zu vielen Themen Kluges zu sagen hat:

Oeffinger Freidenker

Montag, 8. November 2010

Mal was grundsätzliches...zum Feminismus

Von Stefan Sasse

Den Oeffinger Freidenker gibt es nun seit über vier Jahren. Viele Themen wurden bereits mehrfach in unterschiedlichen Beiträgen behandelt, so dass es dem Autor oftmals unnötig erscheint, bestimmte Anspielungen oder Einstellungen näher zu erläutern. Seit 2006 hat sich die Leserschaft jedoch stark vergrößert, und für die, die neu dazugekommen sind, mag nicht immer alles sofort klar sein, was der Oeffinger Freidenker schreibt. Die neue Serie "Mal was grundsätzliches…" soll diese Lücke schließen, in dem noch einmal eine Zusammenfassung zu bestimmten Themen gegeben wird. Diese Folge befasst sich mit dem Feminismus.

Die Zeit der großen feministischen Diskussionen ist lange vorüber. Paragraph 218, Gleichberechtigung im BGB, Einführung des Zerrüttungsparagraphen ins Scheidungsrecht - alles Siege der Feminismusbewegung, seit zwei Generationen vertraut. Heute wirkt Alice Schwarzer wie ein Fossil, nicht mehr wie Vorkämpferin einer radikal neuen Bewegung, und im Islamhass scheint sie derzeit ein probates Mittel zu sehen, den Mangel an Aufmerksamkeit wettzumachen, der ihre eigene Feminismusversion glücklicherweise kennzeichnet. Bevor wir richtig ins Thema einsteigen, beginnen wir mit einer kurzen Bestandsaufnahme.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gesellschaft so patriarchalisch, wie sie es seit der Vor-Bismarck-Zeit nicht mehr gewesen war, obgleich diese „Ordnung“ bereits damals etwas Künstliches hatte. Frauen waren durch diverse Gesetze tatsächlich und, vor allem, durch die herrschenden Konventionen im täglichen Leben benachteiligt. Unter anderem war es ihnen nicht erlaubt, ohne Zustimmung des Mannes ein Konto zu führen. Dies alles änderte sich ab den 1960er Jahren, als selbst eine Adenauer-CDU sich nicht mehr mit allem Mief, den sie an sich hatte, gegen den Zeitgeist stellen konnte. Der Druck von FDP wie SPD (vor allem aber letzterer, die bereits im alten Kaiserreich die Idee der Gleichberechtigung der Frau vertreten hatte – von Männern, wohlgemerkt, was oft unterschlagen wird) tat sein Übriges, spätestens seit der sozialliberalen Koalition. Die gesetzlichen Schranken fielen, und das Gesellschaftsklima wurde in den frühen 1970er Jahren so offen wie seither nie wieder. In genau diese Zeit fällt das Wachsen der feministischen Bewegung die, wie immer mit einiger Verspätung, aus den USA importiert wurde.

Hierzulande wurde sie unangefochten von Alice Schwarzer dominiert, die sich von ihren radikalen Vorbildern in den USA wie Valerie Solanas (Attentäterin Andy Warhols und Verfasserin des Traktrats „Zur Vernichtung der Männer“) inspirieren ließ und die feministischen Forderungen mit der Stern-Aktion „Wir haben abgetrieben“ in die Schlagzeilen brachte, die sich zwar im Nachhinein als gefälscht herausstellte, da viele der Frauen inklusive Schwarzers selbst gar nicht abgetrieben hatten, aber mit dem Abtreibungsparagraphen ein publikumswirksames Schlachtfeld schufen. Die CDU konnte am Ende noch durchsetzen, dass ein verpflichtendes Beratungsgespräch mit dem Versuch, die Frau von der Entscheidung abzubringen, vor eine Abtreibung gesetzt wurde, aber die Initiative blieb ein großer Erfolg der Frauenbewegung. Die letzten Schranken fielen unter ihren wuchtigen Schlägen und dem nur noch schwächlichen Widerstand der letzten Reaktionäre. Der Zeitgeist hatte gesiegt.

Nur ist der Zeitgeist ein windiges Ding, denn er weht schnell weiter. Die Feministinnen wurden bald von ihm selbst überholt. Ihre radikale Rhetorik, die in die 1970er Jahre gepasst hatte, in denen Mao, Marx und Che gelesen und diskutiert wurden, entfernte sich immer mehr von der Wirklichkeit, und die Kritik wurde immer ritueller. Schwarzer und die EMMA wurden Teil des Systems, das sie früher bekämpft hatten, was sich beispielsweise in der Verleihung des Bundestverdienstkreuzes 1997 und, noch viel frappanter, in der Teilnahme an einer BILD-Werbekampagne 2006 zeigt, für die Schwarzer aus den eigenen Reihen viel Kritik einstecken musste, die sie rüde wegbürstete. Auch die Erstürmung der EMMA-Zentrale in den 1990er Jahren durch Frauen (!) als Reaktion auf deren aggressive, männerfeindliche Berichterstattung zeigte, dass Schwarzers Bewegung ihren Zenit überschritten hatte. Versuche, die Lücke auszufüllen, gab es seither genug, doch waren diese nicht erfolgreich. Thea Dorn und andere, die einen „neuen Feminismus“ vertreten wollen wirken wie neoliberale Epigonen und konnten nie Breitenwirkung erzielen, auch, weil sie die Schwarzer-Rezepte letztlich nur ein wenig an die neoliberale Ideologie anpassten.

Genau da aber liegt der Hase im Pfeffer, wie wir noch sehen werden. Bevor ich wirklich starten will, müssen wir noch einen kurzen Simone-de-Beauvoir-Crashkurs hinter uns bringen, denn sie ist die eigentliche Erfinderin des Gender Mainstreaming, das derzeit im akademischen Leben vor allem, aber auch im politischen Bereich großen Einfluss hat. Sehr stark heruntergebrochen hatte de Beauvoir die Idee, dass es zwei Geschlechter gibt: ein biologisches (sex) und ein soziales (gender). Das erstere ist offensichtlich durch die Geburt festgelegt, das zweitere allerdings werde einzig durch die Erziehung implementiert. Es wäre also, so der Schluss, möglich, einen Jungen als Mädchen und ein Mädchen als Jungen aufzuziehen, vorausgesetzt natürlich, so etwas wie eine Jungen-Erziehung gebe es überhaupt. Das biologische Geschlecht habe demnach nichts mit dem Sozialen zu tun; ein Mann könne durchaus eine soziale Frau sein und umgekehrt.

Ich habe anfangs das Postulat aufgestellt, dass de Beauvoirs Ideen meiner Meinung nach die falsche Fragestellung enthalten. Um diese Theorie zu beweisen, wurden sehr krude und bisweilen grausame Versuche angestellt, von denen der der kanadischen Zwillinge nur der bekannteste ist. Dieser handelt davon, dass einem von zwei männlichen Zwillingen bei der Geburt der Penis so verletzt wurde, dass man ihn amputieren musste. Ein Pionier des Gender Mainstreaming überredete die der Idee aufgeschlossenen Eltern, den Jungen vollständig als Mädchen zu erziehen. Dieser Versuch scheiterte noch vor der Pubertät grotesk, als der Junge trotz aller Mädchenerziehung mit Pink und Tanzen aggressiv männliche Merkmale zu tragen und zur Schau zur stellen begann. Auch Wiederholungen des Versuchs endeten ähnlich und oftmals tragisch. Das allein widerlegt die These natürlich nicht, schließlich wächst das Kind ja in einer Umwelt auf, die nicht „gegendermainstreamt“ ist. Ich denke aber dass die Fragestellung, ob die Theorie richtig ist oder nicht – dass also das soziale Geschlecht nur konstruiert sei – letztlich nicht weiter führt. Viel wichtiger ist die Fragestellung: Wollen wir, dass das so ist? Und hier scheint die Antwort recht eindeutig nein zu sein. Trotz großer medialer Unterstützung und großzügiger Förderung (Professurstellen für Gender Mainstreaming und zahllose Frauenbeauftragte sprechen eine deutliche Sprache) hat sich die Idee bislang nicht durchgesetzt, wird als fremd und unnatürlich empfunden und ist eher rückläufig, als dass sie neue Anhänger gewinnen würde. Nur die Wenigsten scheinen überhaupt von Weiblichkeit oder Männlichkeit Abstand nehmen zu wollen. Wohlgemerkt: damit sind nicht Aufgabenverteilungen gemeint. Dem Gender Mainstreaming geht es nicht, wie früher der Emanzipationsbewegung, um die rechtliche Gleichstellung der Frau, sondern um die Aufhebung aller außer den biologischen Geschlechtsunterschieden. Ich gehe davon aus, dass dies den Wünschen einer deutlichen Bevölkerungsmehrheit (deutlich über 90%) diametral widerspricht.

Das ist auch den Apologeten des Gender Mainstreaming bewusst. Sie erklären deshalb, ein „Umdenken“ müsse stattfinden und, vor allem, aktiv gefördert werden. Zu diesem Zweck sei es beispielsweise notwendig, durch eine gezielte Frauenförderungspolitik die Menschen daran zu gewöhnen, dass Frauen sich in Führungspositionen befinden. Ich bin der Meinung, dass dies in höchstem Maße verwerflich ist. Und damit sind wir endgültig bei der Frauenpolitik.

Es kann kein Zweifel bestehen, dass die rechtliche Gleichberechtigung längst erreicht ist. Dies wird auch von der Frauenbewegung nicht angezweifelt, nicht einmal von ideologischen verbohrten Altlasten wie Alice Schwarzer. Stattdessen erklärt die Frauenbewegung, dass die „faktische Gleichberechtigung“ nicht erreicht sei. Dazu gehört die Legende von einer gläsernen Decke, die es Frauen nicht erlaube, in Führungspositionen aufzusteigen, weil dort ja nur Männer sitzen, die unter sich bleiben wollen und Frauen deswegen nicht hochkommen lassen wollen. Im gleichen Zusammenhang steht die Behauptung, dass Frauen bei gleicher Tätigkeit um ein Drittel schlechter bezahlt werden.

Das letzte Argument ist besonders lächerlich. Wenn das tatsächlich so wäre würden doch in einer Marktwirtschaft unter starkem Konkurrenzdruck, wie wir sie haben, nur noch Frauen eingestellt, weil sie das Gleiche leisten und ein Drittel weniger kosten. Das passiert aber nicht, nicht einmal in Betrieben, die von Frauen geleitet werden, was auch das Gegenargument widerlegt, dass wieder eine böse weltweite Männerverschwörung am Werk ist. Tatsächlich haben Studien herausgefunden, dass Männer Frauen eher in Führungspositionen aufrücken lassen als Frauen andere Frauen. Das aber nur am Rande. Es ist tatsächlich so, dass sich ganz einfach weniger Frauen für Führungsaufgaben bewerben als Männer. Dies wird auch von der Frauenbewegung gesehen und mit dem Verweis auf die faktisch nicht erreichte Gleichberechtigung, gewissermaßen eine Denkblockade, die sich selbst als minderwertig und deswegen nicht geeignet ansieht, abgebügelt. Frauen bewerben sich gewissermaßen aus einem inneren Minderwertigkeitskomplex nicht.

Auch diese Argumentation halte ich für nicht schlüssig. Ich bin bisher keiner Frau begegnet, die von sich sagt, dass sie als Frau sich nicht für geeignet hält und dabei den Eindruck erweckt hat, eigentlich einen solchen Job zu wollen. Hier stoßen wir auf das Kernproblem, das ich ausgemacht zu haben glaube. Die bisher aufgezeigte Argumentationslinie widerlegt sich teilweise selbst, das mag dem einen oder anderen Leser aufgefallen sein. Die jeweiligen Gegenargumente der Frauenbewegung ergeben kein schlüssiges Ganzes, sondern stehen miteinander im Widerspruch. Fakt aber ist, dass es deutlich weniger Frauen in Führungspositionen gibt. Wirklich deutlich weniger. Eine Frau auf zehn oder zwanzig Männer ist keine Seltenheit. Nur, woran liegt das? Dass mich die Erklärungen der Frauenbewegung nicht überzeugen, die, nebenbei bemerkt, auch ein deutliches Interesse an der Durchsetzung ihrer Argumente trotz faktischer Unhaltbarkeit hat, weil damit diverse sehr gut dotierte, staatliche und damit sichere Stellen einhergehen, die ihre Wortführerinnen einnehmen können, sollte klar geworden sein. Doch was ist der Grund? In ihrem Buch „Das dämliche Geschlecht“ argumentiert Barbara Bierach, dass Frauen an ihrer Lage komplett selbst schuld wären. Nur 3,4% Frauen in Vorstandsetagen liegt ihrer Meinung nach daran, dass sich Frauen dumm verhalten und fauler sind als Männer. Sie nützten die Chancen nicht, die ihnen längst gegeben sind. Sie unterstützt außerdem ebenfalls die Behauptung, dass Frauen andere Frauen am Aufstieg hindern würden.

Doch auch diese „selbst schuld“-Argumentation ist nicht überzeugend. Ich halte das Problem für tiefer liegend. Um das zu erklären, möchte ich noch einmal kurz ausholen und einen Ausflug in die Geschichte unternehmen.
Oft hört man aus Kreisen der Frauenbewegung, dass die Männer über 2000 Jahre die Frauen unterdrückt hätten. Praktisch immer ist der Unterton dabei „und jetzt sind wir mal dran“. Dieser Unterton durchzieht die gesamte Frauenpolitik, was auch der Grund ist, warum ich es ablehne, die Begriffe Gleichstellung oder Gleichberechtigung zu benutzen, denn diese Politik zielt offenkundig auf eine Bevorteilung von Frauen, was sie auch offen zugibt. Das aber hat, selbst wenn die 2000 Jahre Unterdrückung Realität wären, keine Legitimation. Man kann ein Unrecht nicht dadurch beseitigen, dass man Neues schafft. Das geht niemals und ist weder ethisch noch moralisch vertretbar. Dazu kommt, dass das Argument mit den 2000 Jahren nicht wahr ist.

Denn einen überwältigenden Teil der Menschheitsgeschichte waren die Menschen einfach nur arm. Den mittelalterlichen Bauern, den Industriearbeiter des 19. Jahrhunderts interessiert die Frauenbewegung nicht. In einer so prekären Lage müssen alle zusammenarbeiten, nach ihren besten Kräften. Die körperlich schwächeren, von den zahlreichen Geburten noch zusätzlich geschwächten Frauen übernahmen dabei oftmals die Hausarbeit, der Mann die schwere Feldbarbeit. Entscheidungen fielen ihm ebenfalls zu, aber wer die Realität eines Haushalts kennt weiß, wie wenig weit her es mit solchen Entscheidungen oftmals ist. Obwohl Männer auch heute noch dank eines höheren Erwerbsanteils deutlich mehr verdienen als Frauen und oftmals Allein- oder Hauptverdiener sind, gibt es siebenmal (!) so viel Verkaufsfläche für Frauen wie für Männer, und geben Frauen auch entsprechend mehr aus. Anzunehmen, dass dies früher anders war, wäre grenzenlos naiv. Keine Bevölkerungsgruppe lebt 2000 Jahre lang in unerträglicher Unterdrückung. Es ist schlicht die Überheblichkeit der ersten Frauenbewegung, die das für sich reklamierte.

Diese entstand im 19. Jahrhundert und war von Anfang an eine reine Oberschichtenveranstaltung. Die Frauen, die für das Recht stritten, Universitäten und höher Schulen besuchen oder Eintritt ins Schwimmbad zu erhalten waren alle gutsituiert und finanziell mehr oder minder unabhängig. Viele von ihnen hatten die damals üblichen Dienstmädchen in ihren Diensten, was niemand von ihnen als Problem auffasste – eben weil die Frauenbewegung eine reine Oberschichtenveranstaltung war. Es brauchte die Entstehung einer bürgerlichen Mittelschicht, um auf solche Ideen erst zu kommen, denn wer um sein Überleben kämpft, diskutiert darüber nicht. Man kann die Entstehung der Frauenbewegung also durchaus als Beleg großen gesellschaftlichen Fortschritts in jener Zeit sehen, wie auch die Entstehung der Feministenbewegung in Deutschland nicht zufällig in die 1970er Jahre fällt, als erstmals breite Bevölkerungsschichten am Wohlstand teilhatten. Eine Oberschichtenveranstaltung ist der Feminismus trotzdem immer gewesen – und auch geblieben.

Und genau das ist in meinen Augen der Grund für die Krise, in der die Bewegung derzeit steckt, der Grund für die „faktisch“ nicht erreichte Gleichberechtigung, die nach den Buchstaben des Gesetzes längst besteht und angesichts der gewaltigen Förderanstrengungen eigentlich längst erreicht sein müsste. Autorinnen wie Thea Dorn oder eben die zitierte Barbara Bierach propagieren ein Idealbild, das einer objektiven Idealität vollkommen entbehrt. Sie konzentrieren das ganze Lebensglück auf das Erreichen einer „Karriere“, ein Ziel, das dabei zum reinen Selbstzweck vorkommt. Ich erinnere mich noch an unsere Abi-Zeitung, als sich bei „Zukunftsplänen“ bei deutlich über der Hälfte der Frauen die Trias „Studieren, Karriere, Familie“ fand – ein Zeugnis des durchschlagenden Erfolgs der Frauenbewegung in dieser Bevölkerungsschicht, könnte man meinen. Und wie bereits anfangs festgestellt ist es der Erfolg, der den Blick für die Probleme versperrt.

Denn die Karriere ist zum einen für breite Bevölkerungsschichten überhaupt keine Perspektive. Kassierinnen bei Aldi, Bandarbeiter bei Opel, Reinigungskräfte bei Was-weiß-wem, Arbeitslose – für sie alle ist die Karriere, die die Frauenbewegung propagiert (die im Übrigen praktisch ausnahmslos aus Akademikerinnen besteht) überhaupt nichts, was mit ihrem Lebensbild in Einklang zu bringen wäre. Für die Männer übrigens auch nicht. Die Unterstellung, dass jeder nach einer Karriere in der freien Wirtschaft als alleiniges Rezept zum Glück streben und dieses auch erreichen könnte ist irrig und vergiftet die gesame Bewegung. Es ist das hässliche Kind der Beziehung, die die Frauenbewegung mit dem Neoliberalismus eingegangen ist und die in Barbara Bierach pars pro toto ihren Niederschlag findet. Viele Menschen – nicht nur Frauen, sondern auch Männer – trachten überhaupt nicht nach einer Karriere. Sie wollen andere Wege zum Glück gehen. Die Bemühungen der Frauenbewegung sind ihnen dabei fremd, entsprechen nicht ihrer Lebenswirklichkeit. Der Schleier über dieser Lebenslüge der Frauenbewegung wurde 2006 kurz weggerissen, als Eva Herman mit ihrem „Eva-Prinzip“ an die Öffentlichkeit ging. Bevor sie den Kardinalsfehler des Nazi-Vergleichs beging und damit vollständig aus der Debatte verdrängt wurde, erhielt sie gewaltige Zustimmung gerade von den Frauen und wurde von der Frauenbewegung in einer Aggressivität angegangen, die zuletzt Esther Vilar erfahren musste. Herman hatte einen wunden Punkt getroffen, indem sie sich gegen das Ziel einer Karriere aussprach. Die Aggressivität der Diskussion stand in keinem Verhältnis zu den Thesen, denn Herman erklärte ihre Variante nicht einmal für die alleinseligmachende, wie dies die Frauenbewegung tut, sondern forderte Wahlfreiheit – was die Frauenbewegung aber nicht zugestehen wollte.

Damit sind wir am Ende angelangt: Die Frauenbewegung, so der Schluss, vertritt eine Ideologie, die an der Lebensrealität der meisten Menschen vollkommen vorbeigeht. Ich widerspreche der Feststellung der Frauenbewegung, dass alte Klischees und Denkmuster noch nicht überwunden sind, überhaupt nicht. Die Frage ist aber, was man dagegen tun kann. Die Frau, die heute Abitur macht, studiert und danach in die Wirtschaft geht muss nicht mehr gefördert werden. Wenn sie nicht in der Lage ist, ihren Weg zum Glück zu finden, dann ist sie, wie von Barbara Bierach schon festgestellt, tatsächlich selbst schuld. Unterhalb dieser Schwelle, die ich als Oberschichtenveranstaltung bezeichnet habe, stellt sich diese Frage gar nicht. Weder Mann noch Frau brauchen hier eine spezielle Geschlechterförderung auf dem Weg an die Spitze. Hier ist die soziale Fragestellung eine völlig andere, da die materiellen Grundlagen überhaupt nicht gegeben sind. Diese müssen erst geschaffen werden; vorher wird hier kein von oben oktroyiertes Umdenken stattfinden. Alle Quotenregeln dieser Welt werden dabei nichts helfen, weder den Frauen noch sonstwem. Quotenregeln widersprechen sich selbst. Allein ihre Existenz zeigt, dass die Gesellschaft offensichtlich eine andere ist. Wer meiner Argumentation so weit gefolgt ist weiß außerdem dass sie ebenfalls am Kern vorbeigeht. Diese Erkenntnis hat die Frauenbewegung jedoch nicht, dafür ist ihr Bündnis mit den neoliberalen Ideen zu eng, ist sie sich ihrer eigenen sozialen Zusammensetzung viel zu wenig bewusst. Stattdessen wiederholt sie sich in immer gleichen Phrasen und alteingesessenen, der Wirklichkeit entrückten Mustern.

Die Ideologie der Frauenbewegung hat längst totalitäre Züge angenommen. Sie lässt keine Kritik mehr zu und ist blind für die Wirklichkeit, die von dem Bild abweicht, das sie selbst gezeichnet hat. Nur so ist Schwarzers beständige aggressive Rhetorik gegen Männer zu erklären, nur so Thea Dorns und Barbara Bierachs Karrierefixiertheit, nur so die heftigen Reaktionen auf Eva Hermans Versuch, das Meingungskartell der Frauenbewegung zu brechen. Sie befinden sich auf einem starren, fixen Pfad, den sie nicht mehr zu verlassen in der Lage sind. Dabei vertreten sie die Mehrheit der Frauen überhaupt nicht. Das haben sie noch nie, aber früher hatten sie eine gesellschaftsverändernde Idee, die wirkungsmächtig zum Durchbruch kam. Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist, sagt Hugo. Die Frauenbewegung ist der Beweis, dass nichts so tot und leer ist wie eine Idee, die von der Zeit überholt wurde. Sie reiht sich ein mit dem Patriarchat der Adenauer-Zeit und vereint sich so mit ihrem alten Erzfeind. Sobald eine neue Generation von Frauenrechtlerinnen neue Ziele formuliert und den Zeigeist damit trifft, wir ihre derzeitge Riege dorthin verschwinden, wo auch die Marx’schen Lesezirkel der 1970er und die Ideen Carl Schmitts gelandet sind: auf dem Müllhaufen der Geschichte.