Samstag, 21. Dezember 2013

Begriffe des Feindes: hegemoniale Männlichkeit

Definition:

Hegemoniale Männlichkeit


Der Begriff „Hegemoniale Männlichkeit“ stammt von dem australischen Männerforscher R. W. Connell, der inzwischen eine Frau ist. Connell beschreibt vier Grundmuster, wie Männer miteinander umgehen: Hegemonie, Unterordnung, Komplizenschaft und Marginalisierung. Hegemonial verhalten sich Männer, wenn sie Frauen und andere „niedrigere“ Männer ausschließen oder unterordnen und ihre Dominanz durch Waffenbesitz und Gewaltausübung absichern. Marginalisiert werden vielerorts die schwulen Männer, die in einer überwiegend heterosexuell ausgerichteten Gesellschaft Diskriminierung und Unterordnung erfahren, oder auch Schwarze in einem „weißen“ System und Proletarier in einem bürgerlichen. Connells Grundgedanke ist, dass alle Männer, auch diejenigen, die untergeordnete oder komplizenhafte Männlichkeiten leben, von der so genannten „patriarchalen Dividende“ profitieren. Am meisten aber profitiert der Typus der hegemonialen Männer, nur er ist ungebrochen in dieses System eingepasst und steht an seiner Spitze.
Quelle: Connell, Robert W.: Der gemachte Mann. Konstruktionen und Krisen von Männlichkeit. Opladen 1999, S. 98

Dekonstruktion:

Hier redet doch ein Blinder von Farben. Ein Mensch, der sich seines Geschlechts nicht gewiss ist, zwischen den Polen schwankt, versucht etwas zu erklären, dessen er sich selber nicht sicher ist.

Hegemonie, Unterordnung, Komplizenschaft und Marginalisierung sind allgemeine Mechanismen, die man aus der Massenpsychologie und der Gruppendynamik kennt.
Sie beschränken sich nicht auf Männer, nicht auf Frauen, nicht auf Erwachsene. Antonie Gramsci, der den Begriff der Hegemonie am Beispiel des italienischen Vereinigungsprozesses auf führende Gruppen angewendet hat schreibt:

„Die Vorherrschaft einer sozialen Gruppe zeigt sich auf zwei Arten, als Beherrschung und als intellektuelle sowie moralische Führung. Eine soziale Gruppe ist dominant, wenn sie die gegnerischen Gruppen unterwirft und die verbündeten Gruppen anführt. Eine soziale Gruppe kann, ja muss sogar vor der Machtübernahme die Führung übernommen haben; wenn sie dann an der Macht ist […] wird sie dominant, aber sie muss weiterhin führend bleiben" Antonio_Gramsci 
Connell nennt als ausschließliche Machtquelle der männlichen Hegemonie den Ausschluss von niedrigen Männern und Frauen und die Sicherung der Hegemonie durch Gewalt und Waffenbesitz.  Nun wissen wir aber aus der römischen Geschichte, dass die Macht gerade nicht durch Ausschluss, sondern durch Einschluss geschieht, durch Bildung einer zahlreichen Klientel, die man sich durch Fürsorge und Wohltaten gewogen machen muss. Dauerhafte Macht beruht auf der Fähigkeit, geben zu können.
Auch der Ausschluss von Frauen ist nicht gegeben. Überall, wo sich mächtige Männer versammeln, sind Frauen dabei, die u.U. sehr starken Einfluss auf die Entscheidungen der Männer nehmen. Bismarck hat in seinen Memoiren berichtet, wie weit gehend dieser weibliche Einfluss war. Er ist heute nicht geringer. Gewalt und Waffenbesitz mag innerhalb von Verbrecherorganisationen bedeutsam sein. In Rechtsstaaten sind Gewalt und Waffenbesitz von Ausnahmen abgesehen, Staatsmonopol, und die Staatsmacht schützt Männer und Frauen in gleicher Weise, Frauen im Grunde sogar noch deutlich besser. Ich sage nur: Frauenparkplätze, besonderer Arbeitsschutz für Frauen und werdende Mütter, Mütterrente, Frauenhäuser, Frauenförderung.

 Die patriarchale Dividende wird, sofern es so was überhaupt gibt, von dem 1% der Männer an der Spitze und von 95% der Frauen konsumiert. Erzeugt wird sie von 99% der Männer. Das sogenannte Patriarchat ist ein System, das Männer verantwortlich macht für das Wohlergehen von Frauen und Kindern (und Schwachen). Eine höhere Lebenserwartung, höhere Rentenrenditen und ein Konsum über dem selbst Produzierten zeigt, dass Frauen hier eine Rendite einstreichen. Auf den Schlachtfeldern des 1. und 2. Weltkrieges ist die sogenannte patriarchale Dividende zu besichtigen. Der Begriff erweist sich dabei als echte Perversion, was wieder zu dem passt, der ihn aufgebracht hat.

1 Kommentar:

Sven Ehrlichmann hat gesagt…

Wer zitiert, sollte Fundstellen angeben...