Mittwoch, 15. August 2007
Welche Zukunft hat die Ehe
von ARTE Gastautor Prof. Erwin J. Haeberle
„Die Ehe ist heute in einer Krise“, heißt es oft. Wenn das stimmt, worin besteht dann die Lösung? Oder brauchen wir mehrere Lösungen?
Seit es Menschen gibt, hat es - in der einen oder anderen Form - auch die Ehe gegeben. Aber genau das ist der Punkt: Es gab immer mehrere Formen der Ehe, und auch diese verschiedenen Formen haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt. Lange glaubte man, die moderne „vollkommene Ehe“ habe sich aus primitiven älteren Formen entwickelt: Promiske Horden in grauer Vorzeit hätten nur die Gruppenehe gekannt (jede mit jedem). Aus dieser habe sich dann allmählich die matriarchale Polyandrie entwickelt (eine Frau mit mehreren Männern). Mit dem Aufstieg des Patriarchats sei daraus die Polygynie entstanden (ein Mann mit mehreren Frauen), und aus dieser sei schließlich als Krönung der Kulturentwicklung die Monogamie hervorgegangen (ein Mann, eine Frau).
Doch diese Vorstellung stimmt nicht. Auch in der Vergangenheit hat es immer sowohl die Einehe wie auch die Vielehe gegeben. Schon in der frühesten Menschheitsgeschichte gab es monogame Beziehungen, aber es gab eben auch anderes, und das in einigen Gegenden der Welt für sehr lange Zeit. Dennoch: Die Einehe hat nach und nach überall die anderen Eheformen zurückgedrängt, und das ist kein Zufall. Rein biologisch gesehen halten sich die Geschlechter ja etwa die Waage, d.h. es werden ungefähr immer so viele Mädchen wie Jungen geboren. Wenn es gerecht zugeht, gibt es eben für jede Frau eigentlich nur einen Mann, und für jeden Mann nur eine Frau. Dieses Gleichgewicht wird nur durch gewaltsame Eingriffe gestört, wenn z.B. viele Männer in Kriegen fallen, wenn einige Männer erheblich mehr Macht als andere erringen und diese dann auch sexuell benachteiligen können, wenn massenhaft weibliche Babys getötet oder weibliche Föten abgetrieben werden usw. Solche Gewaltakte sind aber auf Dauer „gegen die Natur“, und so setzte sich im Laufe der Geschichte fast überall eine gewisse sexuelle Gleichberechtigung durch – zunächst unter den Männern, dann aber auch zwischen den Geschlechtern. Ist aber das natürliche Gleichgewicht erst einmal wieder hergestellt, dann bekommt auch die Einehe sozusagen „automatisch“ wieder ihre Chance. Heute spricht vor allem eines für sie: Sie ist die einzige Form der Ehe, in der eine wirkliche Gleichberechtigung der Partner möglich ist.
Lust - Liebe - Ehe
Könnte aber gerade dies nun der Grund für die wachsende Zahl der Ehescheidungen sein? Sind viele Männer immer noch nicht bereit oder fähig, mit einer gleichberechtigten Partnerin zu leben? Für manche klingt das plausibel, aber die wahre Ursache liegt wahrscheinlich tiefer und betrifft Frauen und Männer gleichermaßen: Im Laufe der Moderne haben die Menschen sich angewöhnt, Sex mit Liebe und Liebe mit Ehe gleichzusetzen. Man verdrängt, dass Lust und Liebe oft zwei verschiedene Dinge sind, und dass ein guter Sexualpartner nicht unbedingt auch ein guter Ehepartner ist. Lust darf auflodern und erlöschen; Liebe muss dauern. Vor allem: Eine Ehe muss halten, wenn sie gemeinsamen Kindern gerecht werden soll. Heute wollen aber viele nicht wahrhaben, dass Verliebtheit und sexuelle Anziehung schnell nachlassen können. In früheren Epochen war man da klüger. Man wusste, dass gemeinsame wirtschaftliche Interessen und charakterliche Harmonie auf die Dauer wichtiger sind. Vor allem war allen Beteiligten klar, dass das Wohl der Kinder von der Stabilität der Ehe abhängt, und dass sie vor allem deshalb eine solide Basis braucht. Aus diesem Grunde bestanden die Familien von Braut und Bräutigam auch immer darauf, bei der Eheschließung ein Wort mitzureden. Heute aber werden die Ehen fast immer aus „Liebe“ geschlossen, und die meisten Scheidungen gibt es schon nach wenigen Jahren, wenn die sexuelle Beziehung abgekühlt ist. Dann aber sind die Kinder noch klein und leiden am meisten unter der Trennung.
Das ist aber nicht das einzige Problem: Seit sich die moderne isolierte Kleinfamilie herausgebildet hat, ist auch der Druck auf die Eltern gewachsen. Oft müssen beide arbeiten, um wirtschaftlich zu überleben. So bleibt für die Kinder nicht ausreichend Zeit. Besonders die Frauen werden oft vierfach belastet - als Berufstätige, Hausfrauen, Geliebte und Mütter. Die Großeltern und andere Verwandte wohnen oft weit entfernt und können nicht helfend einspringen. Auch auf die Nachbarn kann man nicht zählen. Die stehen meist selber unter Druck und haben ihre eigenen Probleme. Kurz, es ist für viele objektiv schwerer geworden, ein glückliches Ehe- und Familienleben zu führen.
Dennoch versuchen Frauen und Männer es immer wieder, und viele mit Erfolg. Allerdings tun sie dies nicht immer im vorgegebenen Rahmen. Gleichzeitig sehen wir auch Experimente mit neuen Familienformen – von der „Kommune“ und Wohngemeinschaft bis zur nichtverwandten Großfamilie mit „adoptierten“ Alten, und auch das färbt auf das Wunschbild der Ehe ab. Andererseits wird auch immer deutlicher, dass die Erzeugung und Erziehung von Kindern nicht der einzige Zweck der Ehe ist. Er war es auch nie, denn man hat ja seit jeher Frauen jenseits der Wechseljahre die Heirat erlaubt, ja sie sogar empfohlen. Emotionale und materielle Sicherheit waren also schon immer anerkannte Heiratsgründe.
Neue und alte Lösungen
Für die Komplexität der heutigen Probleme kann es deshalb nicht nur eine einzige Lösung geben. Stattdessen deuten sich verschiedene Auswege aus der jetzigen Krise an. Jeder kennt heute Paare, die offen „ohne Trauschein“ zusammenleben, oft „nur auf Probe“, aber manchmal auch jahrzehntelang. Außerdem gibt es vereinzelt „registrierte Partnerschaften“ für verschiedengeschlechtliche und gleichgeschlechtliche Paare. Und natürlich besteht auch die traditionelle Ehe weiter, oft mit zusätzlichem kirchlichem Segen. Mit dieser Vielfalt haben wir uns wieder den Zuständen im alten Rom angenähert, denn das römische Recht kannte noch verschiedene gültige Eheformen – vom gewohnheitsmäßigen Zusammenleben über eine einfache zeremonielle Heirat bis zur feierlichen Eheschließung mit 10 Zeugen und einem Priester. Je leichter die Ehe zustande kam, umso leichter war sie auch wieder zu scheiden. Insofern waren die alten Römer sehr realistisch.
Diesen wachsenden Realismus finden wir nun im heutigen Europa wieder, und er scheint die besten Chancen für das Überleben der Ehe als Institution zu eröffnen. Oder vielleicht sollte man besser sagen „das Überleben der Ehe in verschiedenen Formen“. Schon Goethe hatte erkannt: „Eines schickt sich nicht für alle“, aber irgendeine rechtliche Absicherung wird von den Paaren schon aus praktischen Gründen immer erwünscht sein, und sie liegt auch im Interesse der Gesellschaft. Nichts kann eine Gesellschaft so stabilisieren wie eine rechtlich anerkannte Paarbeziehung. Die verschiedenen europäischen Länder sind insgesamt nun auf dem Wege, hier die nötige Rechtsvielfalt und damit auch eine abgestufte Rechtssicherheit zu schaffen. Man hat mit den „registrierten Partnerschaften“ schon einen wichtigen Schritt getan, aber am Ende wird man gleichgeschlechtliche und verschiedengeschlechtliche Paare überall gleich behandeln müssen. Auch für die Ersteren wird es die vollgültige Ehe geben, und den Letzteren wird man auch die einfachere „registrierte Partnerschaft“ nicht verwehren wollen. Mit anderen Worten: Um allen gerecht zu werden, werden alle zwischen verschiedenen Eheformen wählen können, und diese Flexibilität wird es erlauben, der Ehe wieder einmal die Zukunft zu sichern.
Dienstag, 14. August 2007
Ökonomie - Wozu denn blos?
Nun, die Ökonomie ist die Lehre des Umgangs mit knappen Resourcen und abgesehen von ganz wenigen Gütern sind die meisten Resourcen knapp.
Diese Knappheit zwingt zur Entscheidung und die Summe der Entscheidungen führt zum Leben oder zum Sterben. Jedes Lebewesen muss darauf achten, dass zwischen Geben und Nehmen ein ausgewogenes Verhältnis herrscht. Wer nur gibt, wird nicht alt. Wer nur nimmt, verliert Partner, Freunde und Kunden, ist also auch nicht gerade zukunftsfähig.
Jeder wird freiwillig nur Austausch praktizieren, solange Geben und Nehmen ausgewogen sind. Von außen aufgedrückte Kosten beeinflussen den Austausch. So senkt die Mehrwertsteuer den Austausch von Waren und Dienstleistungen gegen Geld, weil sie künstlich zur Verteuerung führt.
Scheidungsgesetze, die Männer benachteiligen, machen die Ehe untinteressanter. Eine Frau, die nur finanzielle Risiken mit sich bringt muss auf der anderen Seite mehr bieten, sonst fällt sie durch den Partnermarkt. Sie muss z.B. schöner und williger sein, oder durch entsprechende Ausbildung und Berufstätigkeit zeigen, dass sie für den Mann keine finanzielle Belastung ist.
Aus Sicht der Männer klug wäre es, Vielmännerei zuzulassen.
Wer diese Lebensform schätzt würde sie wählen, der Männermarkt würde leergefegt und die Wahlmöglichkeit für Männer würden zunehmen.
Darum ist ja Vielweiberei oder patriarchische Gesellschaftsstruktur keineswegs im Sinne der Männer.
Vielweiberei, weil sie zu einer Verknappung des Angebots an Frauen führt und die patriarchische Gesellschaftsstruktur deswegen nicht, weil sie Frauen vom Partnermarkt ausschließt und die Patriarchen an einer Verknappung des Marktes interessiert sind, um von den potentiellen Jungmännern maximale Gegenleistung abzukassieren. Wie beim Butterberg der EU werden große Teile der Güter vom Markt fern- und damit der Preis hochgehalten.
Ökonomie ist die Lehre vom Interessenausgleich durch Tausch.
Ihre Gesetze wirken auch, wenn man nicht daran glaubt, ähnlich wie Naturgesetze.
Und nie vergessen, auch wenn Menschen sie nicht wahrnehmen können, es gibt eine allgemeingültige Wahrheit und sie wird immer wieder offenbar werden.
Vieles ist denkbar, manches ist machbar aber nur weniges ist von Dauer.
Die Grenze
Die Grenze verläuft zwischen den guten und den bösen Menschen.
Man sagt, jeder Mensch trage immer gute und böse Anteile in sich, aber das stimmt nur bis zu einem gewissen Grad.
Der gute Mensch leidet unter seiner Bosheit. Der böse Mensch ist so böse, dass er seine eigene Bosheit noch als Tugend wahrnimmt.
Das Wesen des Bösen ist die Lüge. Beobachte, wie leicht es einem Menschen fällt zu lügen. Beobachte ihn bei den kleinen Lügen, beim Umgang mit Untergebenen, sein Auftreten als Kunde.
Und dann ziehe die richtigen Schlüsse.
Es gibt böse Menschen, durch und durch böse Menschen.
Hütet euch vor ihnen.
Into the Prickle Bush
Ein auf Englisch geschriebener Artikel, den zu lesen sich lohnt.
Gefunden habe ich ihn bei "A Woman against Feminism":
http://awomanagainstfeminism.blogspot.com/2007/08/into-prickle-bush-by-michael-leunig.html
Man könnte auch die Geschichten von 1001 Nacht lesen. Sie enthalten die gleiche Botschaft: Der Mensch ist gefährlich.
Montag, 6. August 2007
Der Überlebende der Ehehölle
Männer liegen, Frauen sammelnFreitag, den 3. August 2007 um 11:31 Uhr von Sibylle Berg
Über Nacht bin ich, von mir unbemerkt, Mitglied der Paargeneration geworden. Mit leiser Melancholie denke ich nun, da mein Leben so perfekt und elegant ist, an die Zeiten jugendlichen Weltschmerzes und der Sehnsucht nach dem Menschen, der alles ändern würde. Schön war es doch, so haltlos unglücklich die Schreie der Schwalben zu verfolgen, in glibberigen, allein zugebrachten Sommernächten. Das ist vorbei. Für immer. Wer in einem gewissen Alter noch Liebeskummer hat, macht sich lächerlich.
Fast alle von mit gekannten Personen haben die träumerischen Ideen von einem perfekten, inhaltlich und äußerlich brillanten Partner zu Gunsten eines real existierenden Beat aufgegeben, und die Alleingebliebenen sind in Reha-Einrichtungen verschwunden. Die Evolution geht also ihren Gang, wenngleich auch der Charakter der Paarbeziehungen ein anderer geworden ist. Früher, als ich noch ein einsamer junger Mensch war, wurde dem Mann noch ein wenig die Illusion des Patriarchen gelassen. Er durfte mehr Geld verdienen, die Frauen gaben es aus, und dem Mann das Gefühl, ein toller Hecht zu sein. Heute sind meist die Frauen die Verdiener, die sich einen Mann leisten, der weniger unterhaltsintensiv ist als ein Kind, und weil allein sein nicht die Lösung ist.
Die Männer in den Beziehungen, die ich beobachte, befinden sich stets in einer Umorientierungsphase, was heißt, sie gehen der naturgegebenen Faulheit nach und haben gemerkt, dass es sehr viel angenehmer ist, die Frauen arbeiten zu lassen. Manchmal erziehen sie das Kind, oft das adoptierte oder artifiziell erzeugte, und die Frauen wären keine, wenn sie nicht ständig ein schlechtes Gewissen hätten darum. Der arme Mann könnte sich ja unwohl fühlen, dominiert, unterdrückt und so wird der arme Tropf mit Aufmerksamkeit bedacht, um die er gar nicht gebeten hat. Die Generation unserer älteren Schwestern begann mit der Unsitte, Männer am gebären teilhaben zu lassen, wo sie in Folge in Ohnmacht fielen, oder in die Impotenz (Ja, ich verstehe Bernd, es war halt ein Schock für ihn, all das Blut), die Ära der GEMEINSAMEN INTERESSEN war das, als man permanent irgendeinen Quality Time Käse mit seinem Partner machen musste. Um die Blocks rennen, Tandem fahren, Rückbildungsgymnastik - nur um die Illusion zu nähren, das Mann und Frau eigentlich aus dem selben Holz geschnitzt waren.
Er will nicht reden. Nicht mit Frauen.
Heute wissen wir es eigentlich besser, aber wir wissen ja auch, dass Autofahren die Umwelt verpestet. Und so wird der Mann überall mit hingezerrt, wo er nichts zu suchen hat. Jetzt hocken sie da. Überall hocken sie, die Partner. Ein Treffen allein mit einer Freundin ist nicht mehr möglich, sie könnte vor schlechtem Gewissen nicht entspannen, und so verspannt sie alle.
Die Frauen sind in Anwesenheit der Männer gekünstelt, als hätten sie ihr Baby dabei, huschen ihre Augen wie kleine Luchse immer wieder zu ihrem Partner. Hat er es warm, isst er, sind die Windeln noch frisch, fühlt er sich kommod? Fühlt er sich nicht. Der arme Mann, der eigentlich zu Hause glücklich wäre, am Computer, in Unterhosen, muss in ungemütlicher Runde unechte Gespräche belauschen. Und womöglich auch noch etwas sagen. Beat meinte auch, dass der neue Tarantino ein Scheiß sei… sagt sie. Und Beat bekommt einen roten Kopf. Er will nicht reden. Nicht mit Frauen. Mit seiner Frau daheim mag das angehen. Die meisten Paare haben sich untereinander auf einen Code geeinigt. Sie reden in Kindersprache, zwicken sich in den Bauch und haben es ganz angenehm. Bringt man das Paar jedoch in einen öffentlichen Raum, funktioniert nichts mehr. Die Frauen reden zu viel, die Männer gar nichts, oder Bullshit, weil ihnen unwohl ist.
Mit einem Freund wäre das etwas anderes. Mit einem Freund könnte er ein Bier trinken und Männerthemen bereden. Sport und Politik, oder gar nichts. Und sie wären froh dabei. Unfroh wären sie hingegen, wenn eine Frau anwesend wäre, die ihre ist.
Die ist aber da, hat ein schlechtes Gewissen, und so geht das Theater weiter. Überall sieht man sie stehen, in den Läden, Männer mit müden Gesichtern, Frauen mit verspannten Mienen. Denn einkaufen geht NICHT mit Männern. Und das ist gut so. Der Mann muss liegen, die Frau sammeln. So will es das Gesetz. Ich hörte von Männern, die mit auf Wellnessfarmen geschleppt wurden, oder in Hugh Grant Filme, und das alles nur, weil uns die Generation der älteren Schwestern erzählt hat, dass man Zeit mit dem Partner verbringen muss, und gemeinsame Interessen der Kitt der Beziehung sind.
Es gibt keine gemeinsamen Interessen von Mann und Frau…
…Auf der Liste dessen, was Paare aneinander bindet, stehen Kinder und gemeinsamer Besitz, stehen Humor und wenig Streit. Gemeinsame Interessen - gar nicht. Sicher kann man ab und an etwas mit seinem Partner machen, was über gemeinsame Nahrungsaufnahme, den Bericht über die tägliche Ausscheidung und die Kinderaufzucht hinausgeht. Aber doch bitte nicht alles! Das Geheimnis einer reizenden erwachsenen Beziehung ist doch, dass jeder sein Leben fortsetzt wie zuvor, das man jemanden hat, neben dem man einschlafen kann, und der bedingungslos zu einem hält. Es ist, einander Familie zu sein, und die schleppt man ja auch nicht überall hin.
Sollten Sie bisher noch nicht verstanden haben, was ich ihnen nahe bringen möchte, noch einmal einfach: Männer mögen keine Tanztheater, sie hassen Läden, die keine elektronischen Artikel oder Musik verkaufen, sie interessieren sich nicht für unsere Freundinnen, geschweige denn auf ganze Abende mit ihnen, sie haben eine Scheu vor Krankheiten aller Art, dazu gehört auch Kinderkriegen, sie schätzen Kunstausstellungen nur bedingt und Filme mit Hugh Grant - gar nicht. Warum wende ich mich so Frauenzeitungen-stereotyp und klischiert nur an Damen? Die Statistik des Elends, und mein ungeheurer Erfahrungsschatz.
Selten werden Männer betteln, dass ihre Partnerin sie zu einem Fußballspiel, in die Bar mit seinen Freunden, oder zu einem richtig netten Abend im Internet begleiten möge. Die Aufzählung männlicher und weiblicher Vorlieben hat nichts Wertendes, denn was den Menschen interessiert, ist von derselben Belanglosigkeit. Es gibt keine Bonuspunkte für gesteigertes Kunstinteresse, das uns nach unserem Ableben aufs A-Deck verbringt. Alles ist gleich unwichtig und niedlich, was Menschen treiben um ihre Zeit herumzubringen. Haben sie ihren Partner lieb und kraulen sie ihn, versorgen sie ihn gut, aber lassen sie ihn um Himmelswillen nicht an all dem Quatsch teilhaben, der ihnen so einfällt.
Wenn Sie, Mann und Frau jetzt empört tun, dass ich doch keine Ahnung hätte, und sehr wohl liebt Beat Gespräche über Kunst und TV Serien und Tanztheater, dann habe ich eine interessante Neuigkeit für sie: Einer von ihnen ist schwul. Na, wer das wohl sein mag?
Mittwoch, 1. August 2007
Nutzen und Kosten der Partnerschaft
Aus Sicht der Ökonomie gehen zwei Partner eine dauerhafte Beziehung ein, wenn für beide der prospektive Netto-Nutzen daraus den Netto-Nutzen fortgesetzten Single-Daseins - mit oder ohne weitere Partnersuchaktivitäten - übersteigt. Ein solcher Netto-Nutzen entsteht, wenn die Erträge aus der Partnerschaft die Kosten übersteigen. Er ist so definiert. (Die nun folgenden theoretischen Überlegungen gehen vor allem zurück auf Becker, den Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 1992. Becker hat die ökonomische Theorie der Familie wiederentdeckt, aufbereitet und populär gemacht. Im Kern finden sich zahlreiche Gedanken in dieser Richtung auch schon bei den Klassikern, allerdings nicht in der Stringenz wie bei Becker (1974, 1981). Aus der Vielzahl von Publikationen zur ökonomischen Theorie zwischenmenschlicher Beziehungen seien genannt Ben-Porath (1982), Hartwig (1993), McKenzie/Tullock (1984, 129ff), Meyer (1987), von Zameck (1990), Zimmermann (1986).)
Was sind nun die Kosten und die Erträge einer Partnerschaft? Zunächst muß man sich von dem Gedanken frei machen, Kosten und Erträge fallen nur dann an, wenn irgendwelche Zahlungen geleistet werden. Unter Kosten wollen wir vielmehr auch verstehen, wenn jemand Zeit opfert, eine Unannehmlichkeit auf sich nimmt oder sich physisch oder psychisch anstrengt. Ebenso wollen wir den Ertragsbegriff sehr allgemein fassen, in dem Sinne, daß wir jede Art der Bedürfnisbefriedigung als Ertrag begreifen. Auch wenn wir eine Ausgabe oder eine Anstrengung sparen, die wir unter anderen Umständen hätten machen oder auf uns nehmen müssen, wollen wir dies als Ertrag auffassen.
3.1 Die Erträge
Die Erträge einer Partnerschaft sind vielfältig. Um die folgenden Überlegungen zu strukturieren, macht es Sinn, sie in konsumptive und produktive Erträge einzuteilen.
Konsumptive Erträge
Konsumptive Erträge aus einer Partnerschaft sind im wesentlichen Ersparnisse, die dadurch zustandekommen, daß zahlreiche Haushaltsgüter durch zwei Personen ebenso gut - in manchen Fällen sogar besser - genutzt werden können als durch eine Person. Diese Vorteile gemeinsamer Haushaltsführung sind so offensichtlich, daß es hier genügen soll, ein paar Beispiele zu nennen.
Ziehen zwei Personen zusammen, so sparen sie zunächst erheblich an Mietausgaben und Heizkosten ein. Sie benötigen i.d.R. anstelle von zwei nur noch eine Einheit wichtiger langlebiger Konsumgüter: Kühlschrank, Waschmaschine, Fernsehgerät, Hifi-Anlage, Staubsauger, Geschirrspüler usw. Sie zahlen geringere Steuern und Gebühren, wann immer die Wohneinheit und nicht die Zahl der Personen Bemessungsgrundlage ist.
Ihnen fallen hierzu sicherlich noch eine Reihe weiterer Beispiele ein. Beachten Sie aber auch, daß die Punkte, die bisher genannt wurden, sowohl für eine hetero- als auch für eine homosexuelle Lebensgemeinschaft gelten. Zudem bestehen diese Vorteile in aller Regel auch dann, wenn der Haushalt mehr als nur zwei Personen - gleich welchen Geschlechts -umfaßt, also z.B. eine studentische Wohngemeinschaft ist.
Andererseits existieren aber auch Konsumaktivitäten und Einsparmöglichkeiten, die auf den heterosexuellen, rechtlich legitimierten Zwei-Personen-Haushalt beschränkt sind. Hierzu zählen die Vergünstigungen staatlicherseits für Ehen und Familien. Denken sie etwa an das
Ehegattensplitting, das weder von polygamen noch - jedenfalls noch nicht - von homosexuellen Lebensgemeinschaften genutzt werden kann. Das Ehegattensplitting ist der "größte Brocken" beim Familienlastenausgleich, der i.d.R. die Eheschliessung monetär interessant macht. (Für eine schematische Übersicht und Angaben zum Umfang des Familienlastenausgleich vgl. Henke (1989). Es sind natürlich Fälle denkbar, in denen sich zwei Partner monetär besserstehen, wenn sie getrennt leben - weil z.B. beide Wohngeld erhalten. Zu Familienlastenausgleich und Familienpolitik vgl. z.B. Felderer 1988 und Bethusy-Huc 1987.) Dazu kommt, daß der Konsum sog. Kinderdienste nur durch diese Art der Lebensgemeinschaft realisiert werden kann, solange homosexuellen Paaren das Recht zur Adoption verwehrt bleibt. Da dies jedoch stärker den Bereich der Haushaltsproduktion berührt, dazu später mehr.
Schließlich lassen sich eine Reihe von Bedürfnisbefriedigungen - teilweise im wahrsten Sinne des Wortes - wenn auch nicht nur, so doch oft effizienter in einer festen Partnerschaft erfahren. Dazu zählen Zuneigung, Geborgenheit und Sicherheit und Sexualität.
Vorteile bei Produktionsprozessen
Für zahlreiche Menschen gilt, daß sie einen Nutzen aus eigenen Kindern erfahren. Kinder sind eine Art von Gütern und Dienstleistungen, deren Produktion, d.h. die eigentliche Herstellung wie die Aufzucht (hier ist vielleicht der Hinweis angebracht, daß dieser Sprachgebrauch unter Ökonomen durchaus üblich und frei von einer Wertung ist), in einer festen Partnerschaft nach allgemeiner Überzeugung wesentlich effizienter erfolgen kann als in einem Single-Haushalt. Theoretisch ist es jedoch durchaus denkbar - und es kommt ja auch vor, daß man Kinder kauft oder verkauft. Eine heterosexuelle Zweierbeziehung ist für die Erfüllung des Kinderwunsches also keine notwendige Voraussetzung. Trotzdem werden die meisten Menschen zustimmen, daß die Beschaffung und Aufzucht von Kindern in anderen Haushaltsformen äußerst schwierig sein dürfte und wohl nicht nur Probleme rechtlicher Art mit sich bringt.
Allein die Kosten von Kindern machen es einer alleinstehenden Person fast unmöglich, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen. Einer amerikanischen Studie zufolge kostet ein Kind von der Geburt bis zum 22. Lebensjahr eine Durchschnittsfamilie ein fünftel des in dieser Zeit anfallenden Familieneinkommens (vgl. Olson 1982, 2. Berechnungen von Kinderkosten sind ausgesprochen komplex; z. B. ist zu überlegen, ob Einkommensausfälle der Frau infolge Kinderbetreuungszeiten mit eingerechnet werden sollen oder eigene Einkommen der Kinder abgezogen werden sollen.) Und einer Repräsentativ-Befragung der Zeitschrift BRIGITTE zufolge, stimmen zwei von drei Müttern der Aussage zu, es sei heutzutage in Deutschland ein Luxus, sich Kinder zu leisten (Henning u.a. 1992, 139). Daß Kinder als Luxusgüter einzustufen sind, bestätigt auch eine Studie aus dem Statistischen Bundesamt. Nach elf bis fünfzehn Ehejahren waren 1986 36% der Ehen kinderlos, in denen der Ehemann weniger als 1800 DM im Monat verdiente. Ehen, in denen der Ehemann ein monatliches Einkommen von über 1800 DM hatte, waren nur noch zu 16% kinderlos. Auch die durchschnittliche Kinderzahl liegt um ein halbes Kind höher in dieser Gruppe (1,6 im Vergleich zu 1,1).
Die monatlichen Unterhaltsaufwendungen für ein Kind liegen derzeit je nach Einkommenslage und Schätzansatz um 600 DM pro Monat (Stat. Bundesamt 1990). Wenn man bedenkt, daß die monatlichen Kosten für einen VW-Golf 1.8 GL laut ADAC bei mittlerer Fahrleistung monatlich bei 566 DM liegen, kann man sagen, daß für viele Familien, Kinder die teuerste Anschaffung sind, die sie sich in ihrem Leben leisten. Nach Berechnungen von Galler (1988, 92) muß eine Frau mit Abitur, die nach drei Arbeitsjahren eine Kinderpause von drei Jahren einlegt, ihre Einkommenseinbußen über das gesamte Erwerbsleben, also während und nach der Unterbrechung, in der Größenordnung von 200 Tsd. DM veranschlagen.
Wir können also festhalten, daß eine effiziente Produktion von Kindern im allgemeinen nur in einer auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft möglich ist. Für eigene Kinder gilt diese Aussage ohne Einschränkung. Und der Wunsch nach eigenen Kindern ist in der erwachsenen Bevölkerung weit verbreitet.
Wir kommen nun zu einem Punkt, der vielleicht einen weniger offensichtlichen, aber deswegen nicht einen weniger wichtigen Vorteil in der Produktion von Zwei- gegenüber Ein-Personen-Haushalten darstellt. Paare produzieren Haushaltsaktivitäten (Haushaltsaktivitäten sind z. B. Einkommenserwerb, Haushaltsarbeiten im engeren Sinne, aber auch Unterhaltung oder geselliges Beisammensein. Sie umfassen alles, was die Mitglieder des Haushaltes unternehmen. Manche der Haushaltsaktivitäten können leicht durch dritte Personen erledigt werden. Z. B. kann ein Koch oder eine Köchin eingestellt werden. Bei anderen Haushaltsaktivitäten wie z. B. der Kinderproduktion ist dies nicht möglich.) effizienter als Singles, da sich beide Partner auf die Aktivitäten spezialisieren können, die sie besonders gut beherrschen. Diese Aussage ist für die ökonomische Theorie der Ehe so zentral, daß es sich lohnt, sie anhand unseres Zahlenbeispiels zu verdeutlichen.
Wie jedes Zahlenbeispiel geht auch dieses von vereinfachenden Annahmen aus. Außerdem wählen wir die Zahlen nicht unbedingt in einer realistischen Größenordnung, sondern so, daß wir einfach damit rechnen können. Schließlich wollen wir noch annehmen, daß wir die Produktivität der Partner im Haushalt und auf dem Arbeitsmarkt in Geldeinheiten messen können.
Tab 2.: Produktivität der Haushaltsmitglieder
Haushalt Arbeitsmarkt
Mann 30 DM/h 60 DM/h
Frau 30 DM/h 30 DM/h
Wir gehen in unserem Beispiel davon aus, daß der Mann und die Frau im Haushalt gleich produktiv sind, der Mann jedoch am Arbeitsmarkt seine Arbeitskraft wesentlich teurer verkaufen kann (Die Produktivität im Haushalt läßt sich tatsächlich nur schwer abschätzen, allein schon deswegen, weil die einzelnen Haushaltsaktivitäten voneinander sehr verschieden sind. Wir können aber ziemlich sicher sein, daß die Produktivität der letzten im Haushalt eingesetzten Arbeitsstunde unter dem am Arbeitsmarkt erzielbaren Lohn liegt. Wäre das nicht so, dann wäre es rational, mehr Arbeitszeit auf dem Arbeitsmarkt anzubieten.). Der Grund dafür könnte sein, daß er eine bessere Ausbildung genossen hat, aber ebenso, daß Frauen am Arbeitsmarkt diskriminiert werden. Doch darauf kommt es im Moment nicht an.
Nehmen wir nun an, beide leben als Singles und teilen, weil sie ähnliche Präferenzen haben, ihre Zeit im Verhältnis 2:1 zwischen Marktarbeit und Haushaltsarbeit auf. Dann produzieren sie je eingesetzter Arbeitsstunde folgenden Gegenwerte:
Tab. 3: Konsummöglichkeiten der Singles bei 2:1 Zeitaufteilung je Arbeitsstunde
Haushalt (M: 20 min) (F: 20 min) Arbeitsmarkt (M: 40 min) (F: 40 min) zusammen (60 min) (60 min)
Mann 10 DM 40 DM 50 DM
Frau 10 DM 20 DM 30 DM
zusammen 20 DM 60 DM 80 DM
Nehmen wir nun an, die beiden heiraten und planen, im gemeinsamen Haushalt den gleichen Arbeitseinsatz zu leisten wie bisher getrennt. Eigentlich wird sich das Verhältnis eher zuungunsten der Haushaltsarbeit verschieben, da z.B. anstelle von zwei jetzt nur noch eine Wohnung gereinigt werden muß. Aber von solchen Nebeneffekten wollen wir hier absehen.
Kurz nach der Hochzeit lassen wir jetzt den Mann Vollzeit arbeiten. Die Frau soll allein für die Hausarbeit verantwortlich sein und Teilzeit arbeiten. Dann ergibt sich folgendes Bild:
Tab. 4: Vorteile der Produktion in gemeinsamer Haushaltsführung
Haushalt (M: 0 min) (F: 40 min) Arbeitsmarkt (M: 60 min) (F: 20 min) zusammen (60 min) (60 min)
Mann 0 DM 60 DM 60 DM
Frau 20 DM 10 DM 30 DM
zusammen 20 DM 70 DM 90 DM
Es zeigt sich, daß die Spezialisierung, also die geschickte Aufgabenverteilung zwischen den Ehepartnern, zu einem um 10 DM gestiegenen Gesamteinkommen führt. Dies ist nun keine Eigenheit des Zahlenbeispiels, sondern in allgemeiner Form, aber anderem Zusammenhang, schon vor fast zweihundert Jahren von David Ricardo bewiesen worden: Sind ein Mann und eine Frau unterschiedlich produktiv, dann können sie ihre gemeinsame Produktion durch Heirat steigern, ohne daß sie deswegen mehr arbeiten müßten.
Ob die Zahlenwerte mit den realen Werten übereinstimmen oder nicht, ist für unsere weiteren Überlegungen absolut unwichtig. Es kommt lediglich darauf an, daß sich die Produktivitäten von Mann und Frau unterschiedlich auf Haushalt und Arbeitsmarkt verteilen. Alle Ergebnisse könnten wir auch dann ableiten, wenn wir den Stundenlohn des Mannes mit 63,25 DM annehmen würden. Dann würde nur die Berechnung etwas komplizierter. Übrigens könnten wir auch annehmen, daß der Mann im Haushalt der produktivere Partner ist, während die Frau am Arbeitsmarkt das höhere Einkommen erzielt. Auch dadurch wäre das Ergebnis, das wir abgeleitet haben, nicht gefährdet.
Unsere Schlußfolgerung setzt natürlich voraus, daß Hausarbeit und Marktarbeit in etwa gleich angenehm bzw. unangenehm sein müssen. Andernfalls müßten diese Unannehmlichkeiten, die die neue Aufgabenverteilung mit sich bringt, berücksichtigt werden. Aber auch dann würde sich am Ergebnis prinzipiell nichts ändern.
Eine Randbedingung muß allerdings erfüllt sein. Nehmen wir an, in unserem Beispiel habe der Mann überhaupt keinen Sinn fürs sog. "Häusliche" gehabt und sich schon als Single voll auf Marktarbeit spezialisiert. Die Frau hingegen habe sich schon als Single nur um den Haushalt gekümmert.
Aus dieser Ausgangssituation wäre kein Spezialisierungsgewinn
durch Heirat möglich gewesen.
Die Vorlieben, man könnte auch sagen Präferenzen oder Konsumwünsche, der potentiellen Partner waren zu unterschiedlich.
Insgesamt können wir also folgendes festhalten: Die Erträge, die zwei Singles durch gemeinsame Haushaltsführung realisieren können, sind unter sonst gleichen Umständen größer, je unterschiedlicher ihre produktiven Eigenschaften und je ähnlicher ihre Konsumwünsche ausgeprägt sind. Dies gibt uns auch einen Hinweis auf die Frage: "Wer heiratet wen?". Aber dazu später mehr.
3.2 Individuelle Nachteile
Warum gibt es denn überhaupt und immer mehr Singles, wenn die Vorteile gemeinsamer Haushaltsführung so zahlreich sind? Nun, wo Licht ist, ist auch Schatten. Den Vorteilen stehen Nachteile gegenüber. Diese individuellen Nachteile sind die Kosten einer Partnerschaft.
Wer eine feste Partnerschaft eingeht, verzichtet damit zunächst - jedenfalls in aller Regel -auf die Option fortgesetzter Partnersuche und so auf die Chance, einen geeigneteren Partner zu finden. Dazu kommt der Verlust an individueller Entscheidungsfreiheit. Dies ist wahrscheinlich der gewichtigste Kostenfaktor. Man kann nicht mehr uneingeschränkt tun und lassen, was man will: Ständig sind Kompromisse notwendig - bezüglich der Farbe des neuen Autos, des Fernsehprogramms, der Zimmertemperatur, der Häufigkeit von Verwandtenbesuchen, des Urlaubsziels ...
Die Kosten, die diese Kompromisse mit sich bringen, sind umso höher, je unterschiedlicher die Konsumwünsche der Partner ausfallen. Sind beide Partner Tennisfans, dann sind die Kompromißkosten von drei Stunden Sanchez gegen Graf am Sonntagabend auf RTL plus null. Ist aber nur er Tennisfan, dann kann ihn eine solche Übertragung auch schon mal einen Besuch bei den Schwiegereltern am Sonntagnachmittag kosten. Und dann läuft evtl. gerade Edberg gegen Becker. Ein hoher Verlust, besonders falls Becker gewinnt.
Auch die Verteilung des Ehegewinns kann zu Problemen führen. In unserem Zahlenbeispiel hatten wir für das Paar einen Spezialisierungsgewinn in Höhe von 10 DM je Arbeitsstunde (von Mann und Frau) ermittelt. Ungeklärt ist dabei geblieben, wie die Verteilung dieses Gewinns zwischen den Partnern erfolgen soll. So können Situationen entstehen, in denen sich ein Ehepartner ausgebeutet fühlt (im einzelnen zur Ausbeutung in einer Beziehung McKenzie/Tullock 1984, 99ff.). Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Posten, sind Risikokosten (vgl. ebd., 134). Risikokosten müssen nicht eintreten. Sie fallen vielmehr mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit an. So kann ein Ehepartner vor der Hochzeit etwa folgende Kalkulation aufstellen: Eine deutsche Durchschnittsehe wird heute mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 1:3 durch Scheidung beendet. Bis dahin dauern die Ehen im Schnitt 12 Jahre. Veranschlagen wir die individuellen Investitionen pro Jahr in diese Ehe -zugegebenermaßen eine kaum lösbare Aufgabe - mit 10.000 DM, so gehen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:3 120.000 DM Eheinvestitionen verloren (der Einfachheit halber verzichten wir auf eine Diskontierung). Mit derselben Wahrscheinlichkeit würden ein rationaler Bräutigam oder eine rationale Braut die durch die Scheidung selbst anfallenden Kosten sowie die Folgekosten gewichten. Werden diese Kosten übersehen - Liebe macht blind - kann die Ehe zu einer teuren Fehlinvestition werden. Folgekosten der Scheidung in Form einer Abfindung oder erhaltener Unterhaltszahlungen sind für den Gegenwert natürlich Erträge. So kann auch folgende Strategie durchaus rational sein: Millionär suchen, heiraten, scheiden, abkassieren. Zudem ist darauf hinzuweisen, daß man die Risiken durch einen Ehevertrag teilweise ausschalten kann.
Auch Affären und Seitensprünge sind mit Risikokosten belastet. Wie hoch diese Kosten sind, hängt zum einen von der diesbezüglichen Einstellung der jeweiligen Partner ab, zum
anderen von der bisherigen Dauer und dem Ertragspotential der bestehenden Beziehung. Im Extrem muß der untreue Partner Kosten in Höhe der Scheidungs- oder Trennungskosten kalkulieren. Auch diese Kosten sind natürlich mit der Wahrscheinlichkeit, daß und in welchem Umfang die Untreue aufgedeckt wird, zu gewichten (zu außerehelichen Affären ausführlicher Hartwig 1993, 29ff).
Mehr dazu dort