Mittwoch, 28. Januar 2026

Dialoge mit ChatGPT: Wehrpflicht, Schuld und der Preis des Krieges

Eine Rede an junge Männer

Ich will heute nicht moralisieren.
Ich will auch niemanden beschämen.
Ich will erklären, wie Dinge funktionieren – und warum man sich nicht alles gefallen lassen darf, nur weil es „schon immer so war“.


1. Der wehrhafte Bürger – eine Voraussetzung, kein Detail

Wehrpflicht ist kein technisches Instrument.
Sie setzt einen bestimmten Menschentyp voraus: den wehrhaften Bürger.

Einen Menschen,

  • dem man Verantwortung zutraut,

  • der Risiken tragen darf,

  • der als handlungsfähig gilt,

  • der nicht infantilisiert wird.

Ein wehrhafter Bürger ist kein Gewalttäter.
Er ist jemand, der Gewalt kann, sie aber beherrscht.

Genau hier liegt der erste Bruch unserer Zeit.

Eine Gesellschaft, die dem Bürger im Alltag kein Taschenmesser zutraut,
kann ihm im Ernstfall nicht glaubwürdig ein Sturmgewehr in die Hand drücken.

Das ist keine politische Meinung.
Das ist Logik.


2. Gewaltfähigkeit und Selbstbeherrschung gehören zusammen

Gewaltfähigkeit ohne Selbstbeherrschung ist Chaos.
Selbstbeherrschung ohne Gewaltfähigkeit ist Ohnmacht.

Alle stabilen Ordnungen wussten das.

Selbstbeherrschung ist nicht das Fehlen von Kraft.
Sie ist die Kontrolle über vorhandene Kraft.

Wer nichts kann, muss sich nicht beherrschen.
Wer nichts darf, ist nicht friedlich – sondern abhängig.


3. Menschen sind keine geborenen Soldaten

Der Mensch ist kein natürlicher Kämpfer.
Es liegt uns nicht im Blut, fremde Menschen zu töten, mit denen wir keinen persönlichen Konflikt haben.

Das ist keine Schwäche.
Das ist unsere soziale Architektur.

Darum braucht jede Armee:

  • Drill,

  • Rituale,

  • Distanz,

  • Entpersonalisierung.

Nicht um Menschen grausam zu machen,
sondern um sie überhaupt handlungsfähig zu halten.

Aber genau hier beginnt der Preis.


4. Töten hinterlässt Spuren – immer

Man kann lernen zu töten.
Man kann lernen, dabei zu funktionieren.

Aber man kann nicht lernen, dass es folgenlos bleibt.

Je routinierter das Töten wird,
desto tiefer greift der Schaden.

Nicht, weil jemand moralisch schlecht wäre.
Sondern weil ein biologisches Tabu verletzt wird.

Das Betriebssystem des Menschen verzeiht nicht.
Es speichert.

Das Blut der Getöteten schreit nicht moralisch.
Es schreit existentiell.


5. Schuld ist keine Meinung

Diese Schuld ist jenseits von Moral.

Sie ist nicht:

  • juristisch,

  • ideologisch,

  • politisch.

Sie ist der innere Bruch,
wenn etwas getan wurde, das nicht vollständig integrierbar ist.

Darum schweigen Kriegsteilnehmer.
Nicht aus Feigheit.
Nicht aus Geheimniskrämerei.

Sondern weil der Abgrund zu tief ist für Sprache.

Schweigen und Verdrängung sind keine Charakterschwächen.
Sie sind Notfallarchitekturen des Selbst.


6. Warum das alles die Wehrpflicht betrifft

Jetzt kommen wir zum Kern.

Wehrpflicht zwingt Menschen,

  • diese Tabus zu überschreiten,

  • diesen inneren Bruch zu riskieren,

  • einen lebenslangen Preis zu zahlen.

Und sie tut das heute,
ohne die Voraussetzungen zu erfüllen,
die diese Zumutung überhaupt tragfähig machen könnten.

Denn gleichzeitig sagt die Gesellschaft:

  • Männliche Härte sei toxisch.

  • Durchsetzungsfähigkeit sei verdächtig.

  • Gewaltkompetenz sei gefährlich.

Und im Ernstfall sagt sie:

„Jetzt aber bitte genau das.“

Das ist kein Appell mehr.
Das ist ein Widerspruch.


7. Warum das unzumutbar ist

Eine Zumutung ist nur dann legitim, wenn:

  • die Rolle anerkannt ist,

  • der Preis benannt wird,

  • die Last kollektiv getragen wird.

Das ist heute nicht der Fall.

Stattdessen erleben wir:

  • moralische Distanzierung im Frieden,

  • funktionale Beschwörung im Notfall.

Das ist keine Verteidigungskultur.
Das ist Ressourcenzugriff auf Menschen.

Darum ist Wehrpflicht unter diesen Bedingungen
eine unzumutbare Zumutung.

Nicht, weil Krieg immer illegitim wäre.
Sondern weil man den Preis nicht externalisieren darf,
während man sich selbst moralisch rein hält.


8. Eine letzte Klarstellung

Das ist kein Aufruf zur Feigheit.
Und kein Plädoyer für Egoismus.

Es ist eine Aufforderung zur Klarheit.

Wer Risiken tragen soll,
muss als Träger respektiert werden.

Wer Gewalt kontrollieren soll,
muss sie dürfen können.

Und wer das Innerste eines Menschen bricht,
darf nicht so tun, als sei nichts geschehen.


9. Schluss

Eine Gesellschaft kann vieles verlangen.
Aber sie darf nicht gleichzeitig:

  • den wehrhaften Bürger delegitimieren

  • und seine Opferbereitschaft einfordern.

Das funktioniert nicht.
Und es ist nicht ehrlich.

Wer Sicherheit will,
muss den Preis kennen.

Wer diesen Preis nicht tragen will,
darf ihn niemandem aufzwingen.

Das ist keine Moral.
Das ist Verantwortung.

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